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substantiellen Vorzug im Chamber!ainschen Sinne, sondern in der Hauptsache nur eine Zollerhöhung gegen das Ausland als Vorzug für England gewähren will.
Neuerdings ist der politische Einfluß der Schutzzollparlei in Australien geringer geworden. Die Zahl der parlamentarischen, nicht demokratischen Vertreter des Schutzzolls ist in beiden Häusern bei den letzten (zweiten) Bundeswahlen zurückgegangen, die der beiden anderen Parteien hat eine ziemlich konstante (Freihändler) oder rasch wachsende Entwickelung (Labour Party) gezeigt, wie nachstehende Tabelle ausweist:
Senat
Abgeordnetenhaus
Bundes- Wahlen
Schutz- zoll- partei
Freihandels- partei
Arbeiterpartei
Schuta- zoll- partei
Freihandels- partei
Arbeiterpartei
1901
8
14
14
29
28
18
1901
6
13
17
23
28
24
Besonders die in der Tabelle klar hervortretende, steigende parlamentarische Macht der Arbeiterpartei dürfte die bisherige freundliche Haltung der Schutzzollpartei zu Chamberlains Vorschlägen künftig retardierend beeinflussen, weil ja das schutzzöllne- rische Ministerium, um seine Existenz sicher zu stellen, auf den Beistand der Labour Party notwendig angewiesen ist. Mir scheint diese ziemlich unumgängliche Entwickelung jetzt schon Früchte zu tragen. Hauptsächlich dem Einfluß der Labour Party wird es zuzuschreiben sein, wenn jetzt in neuester Zeit die Deakinsche Regierung keine Initiativpräferenz — selbst in der kennengelernten, beschränkten Form - mehr gewähren will, sondern wie früher das erste Anerbieten von England erwartet. So heißt es in einem australischen Bericht des „Economist" (vom 28. April 1906), „daß die Regierung des Bundes auf ein ,offer' von England zunächst wartet und daß kein Vorschlag bis jetzt formuliert ist".
III.
Es drängt sich uns nunmehr die Frage auf: Wird die gegenwärtige politische Stellungnahme der Parteien zu Chamberlains Vorschlägen dauernd sein ?
Am einfachsten ist diese Frage für die Schutzzollpartei und ihre Anhänger unter den Arbeitern zu beantworten. Ihr Ziel ist, die australischen Industrien zu erhalten und zu fördern. Prüfen