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Australien und der britische Zollverein / von Friedrich Busse
Entstehung
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Der Abfall der blühenden nordamerikanischen Kolonien führte eine durchgreifende Änderung der britischen Kolonialpolitik herbei. Das alte merkantilistische Kolonialsystem, die Politik der Bevor­mundung und Ausbeutung, wurde aufgegeben, an seine Stelle trat die liberale Politik, die auch bis auf die Gegenwart ihren Zweck erfüllt und sämtliche übrigen Kolonien dem Mutterlande erhalten hat. Man kann sagen, daß die politische Gesinnung wenigstens der englisch sprechenden Bevölkerung in allen großen Siedelungs- kolonien, auch in Australien, eine echt loyale und ergebene gegen dasdear old country" ist, und England hat Grund darauf stolz zu sein. Noch jetzt ist die liberale Auffassung von den politischen Beziehungen des Mutterlandes zu den Kolonien als die herrschende zu bezeichnen, und sie ist in den letzten Wahlen zum Siege gelangt. Eine der ersten Eegierungsmaßnahmen des neuen Ministeriums war die Verheißung vonResponsible Government" für die Kolonie Trans­vaal. Diese Regierungshandlung hat jubelnden Widerhall durch ganz Australien gefunden, das wie die übrigen Kolonien unter liberaler Politik aufgewachsen ist und in ihr die überkommene britische Reichspolitik verkörpert sieht.

Freilich ist der heutige englische Liberalismus nicht mehr der­jenige eines Rieh. Cobden. Er hat einen kräftigen imperialistischen Einschlag erhalten.

Über ihre imperialistische Gesinnung haben die ersten Mit­glieder des jetzigen Ministeriums wiederholt Zeugnis abgelegt. So sprach Sir Campbell-Bannermann in seiner großen Wahlrede (am 21. Dez. 1905,Daily Telegraph" eod.) in der Londoner Albert Hall: Es ist sicherlich unnötig für uns, unsere Affektion für die Kolonien noch öffentlich zu bekunden und unseren Wunsch, sie uns näher und immer näher zu bringen. Sicherlich finden auch die demo­kratischen und progressiven Instinkte und Institutionen dieser großen Gemeinwesen mehr Affinität bei uns als bei unseren Opponenten."