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Kiautschou : Deutschlands Erwerbung in Ostasien / von Georg Franzius. Bilderschmuck unter Leitung des W. Röse
Entstehung
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vie Sesttsergreifung

m Sommer 1897 war die deutsche Regierung nun­mehr entschlossen, die Erwerbung der Bucht von Kiautschou als Stützpunkt der Marine uud als Ein- gangsthor zu dem großen nordchinesischen Markt mit allen Kräften zu erstrebeu. Wie lange sich die Verhandlungen darüber hinziehen würden, war freilich nicht abzusehen, weil die chinesische Regierung die Angelegenheit unter allen möglichen Vorwänden in die Länge zu ziehen suchte.

Da trat ein an sich sehr beklagenswertes Ereigniß ein, das aber eine rasche, glückliche Lösung der Frage zur Folge haben sollte. Am 1. November wurden die deutschen Missionare von der Mission Süd- Schantung Nies, Henle und Stenz, welche in dem nahe bei Jent- schousu gelegeiren Orte Tschaugtjatschuaug gemeinsam den Allerseelen­tag feiern wollten, Nachts von etwa 2030 bewaffneten Chinesen über­fallen und die beiden ersteren ermordet, während Stenz durch einen Zufall dem Tode entging. Hatten die Missionare schon seit langer Zeit unter dem Haß und Nebelwollen der höchsten Prvvinzialbeamten zu leiden gehabt, welche auch die begründetsten Beschwerden ganz un­berücksichtigt ließen, so war jetzt die Notwendigkeit größeren Schutzes für die Missionsanstalten in der Provinz Schantung vor der chinesischen Bevölkerung nur zu deutlich nachgewiesen.

Seine Majestät, Kaiser Wilhelm II. forderte nicht allein die so­fortige strengste Sühne für das Verbrechen, sondern ergriff mit kühner und starker Hand die Gelegenheit zur Beschleunigung der mit China schwebenden Verhandlungen und beseitigte gleichzeitig durch persönliche Verständigung mit dem Kaiser von Rußlaud die einzigen noch vor-

FranziuS, Kiautschou 9