vie Sucht von Haulschou
en mittleren Teil der Provinz Schantnug bewohnen seit alter Zeit die beiden unabhängigen Bolksstämme, die Lai und die Kiao, oder wie Richthvfen deutsch zn schreiben empfiehlt, die Kiau. Der Stannn der Lai, dessen Name sich unter anderem in dem der Stadt Lai-tschou-fu erhalten hat, soll schon 2000 Jahre vor Christi Geburt genannt und von ihm berichtet werden, daß er die Seide des Gebirgsmaulbecrbaums als Tribut zu entrichten hatte. Der Stamm Kiau wird uach Richthofen zuerst 600 vor Christus genannt uud wird angenommen, daß die Stadt Kiau etwa 500 v. Chr. gegründet ist. In ihrer unmittelbaren Nähe befand sich damals vermutlich die Mündung des Kiauslusses in die große Meeresbucht. Heute ist die Stadt infolge der eingetretenen Versandung etwa eine deutsche Meile vom Wasser entfernt.
Die Kiau-Bucht liegt 390 Seemeilen nördlich von der Mündung des Uangtse, so daß man sie von Schanghai aus mit gewöhnlichen Dampfern in etwa 30 Stunden erreicht. Die Austeuerung ist eine bequeme und wenn man sich der gegen die herrschenden Winde, den Nordvst- und den Südwest-Monsun, gleich gut gedeckten Einfahrt nähert, sieht man zur Rechten der Bucht die mehr als 1000 m hohen Granir- selsen des Lanschan emporragen, während die Höhen zur Linkeu sich nicht über 200 —300 in erheben. Rechts erblickt man alsdann eine kleine Einbuchtung mit einer Landungsbrücke und zwei Forts uud einigen größeren Baulichkeiten. Hier liegt das Dorf Tsintau mit Zollhaus, Telegraphenstativn und dem Amtsgebäude des chinesischen Generals. In dem letzteren hat sich jetzt die deutsche Verwaltung vorläufig ein Unterkommen geschaffen. In dieser kleinen Bucht haben die deutschen