Teil eines Werkes 
3 (1899) Die Insel Pemba und ihre kleineren Nachbarinseln / von Oscar Baumann
Entstehung
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Mzara-Satrapen von Mombas. In den damaligen unruhigen Zeiten war es wohl, wo Kapitän Kitt, ein westindischer Flibustier, auf Pemba sein Hauptquartier aufsehlug und von dort aus die Meere unsicher machte.

Zur Zeit der endgiltigen Eroberung Ostafrikas durch Seyid Said hatte Pemba eine gewisse Bedeutung, da es ein Stützpunkt der Mom- baser Mzara-Herrsehaft war. 1822 eroberte Seyid Saids Statthalter in Sansibar die Insel fast ohne Sehwertstreich. Die überrumpelten Mzara rüsteten einige Schiffe aus und landeten bei Sizini im Norden der Insel, von wo aus sie gegen die feindlichen Besatzungen rückten. Doch gelang es in der Zwischenzeit einer bewaffneten Dhau aus Sansibar, sich der bei Sizini liegenden Schiffe der Mzara zu bemäch­tigen. Im Kampfe zurückgeworfen und von der Abreise abgeschnitten, mufsten die Mzara sich ergeben und erhielten freien Abzug nur gegen feierliche Aufgabe Pembas. Dies hielt sie nicht ab, schon kurze Zeit darauf wieder um Pemba zu kämpfen, indem sie sich über Land nach Mtangatta begaben und von dort nach Pemba übersetzten. Nach er­bittertem Kampf mit den Maskaten wurden sie jedoch abermals zurück­geworfen. 1823 riefen die in die Enge getriebenen Mzara englischen Schutz an; Kapitän Vidal hifste in Mombasa die britische Flagge und stellte ihr Gebiet, also auch Pemba, unter britische Oberhoheit. Doch wurde der darüber abgeschlossene Vertrag von der englischen Regierung nicht anerkannt, und 1825 zogen die Engländer sich aus Mombasa wieder zurück. Seither blieb die Oberhoheit der Sultane von Sansibar über Pemba unbestritten. Ein Schlupfwinkel für alle Tauge­nichtse Ostafrikas, blieb Pemba stets ein Herd von Unruhen, die aber nie einen ernsten Charakter annahmen und stets bald niedergeschlagen wurden. Fern von jeder europäischen Kontrolle blieben dort die Araber gänzlich ungestört, und die Sklaverei blühte. Erst 1895 wurde ein englischer Vicekonsul in Pemba stationiert, was auf die dortigen Verhältnisse einen gewissen, wenn auch nicht bedeutenden Einflufs nahm. In Chake-Chake residiert auch ein Vali (Statthalter) des Sultans, dem die Akidas in Wete und in den kleinen Orten unter­stellt sind. Dort und in Wete befinden sich auch Zollämter.

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Die Insel Pemba hat eine oblonge Gestalt mit der Hauptrichtung von Süd nach Nord und hat mit der Nebeninsel einen Flächeninhalt von 964 qkm. Noch deutlicher als bei Mafia und Sansibar zeigt sich bei Pemba die Erscheinung, dal's die dem Anprall des indischen Oceans ausgesetzte Ostküste nahezu ungegliedert, die Westküste dagegen, die