Teil eines Werkes 
3 (1899) Die Insel Pemba und ihre kleineren Nachbarinseln / von Oscar Baumann
Entstehung
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I.

Die Insel Pemba 1 ist das nördlichste Haupteiland des Sansibar- Archipels und jenes, das am weitesten vom Festlande abgelegen ist. In vieler Hinsicht fast gleichartige Verhältnisse wie Sansibar auf­weisend , gehört die Insel auch politisch zu dem unter englischem Protektorate stehenden Gebiet des Sultans von Sansibar.

Der Name Pemba wird vom Swahili-Zeitworte kupemba ab­geleitet, das soviel bedeutet alssich langsam, vorsichtig nähern". Er soll der Insel von den Schiffern gegeben worden sein, die durch die gefährlichen Riffe nur mit Vorsicht heran gelangen konnten. Die Araber nennen die Insel El Hutheva,die Grüne", doch ist dieser Name wenig gebräuchlich.

Die schwierigen Landungsverhältnisse und die grössere Entfernung vom Kontinent tragen auch die Schuld, dafs Pemba in der Geschichte keine grofse Rolle spielt und bis auf die neueste Zeit vom Strome der Kultur wenig berührt wurde. Wie Guillain 2 richtig vermutet, wurde die Insel fremden Seefahrern wohl später bekannt, als Sansibar und Mafia, da sie für die Küstenfahrer aufser Sicht lag.

Jahrhunderte lang gehörte die Insel dem Reiche von Kilwa an. Auch nach dem Erscheinen der Portugiesen in Ostafrika fand Pemba wenig Beachtung und wird erst mit Ende des 16. Jahrhunderts häufiger genannt. Um jene Zeit hatten portugiesische Ansiedler, frühere Soldaten und Kaufleute, sich dort niedergelassen. Durch die grofse Fruchtbarkeit der Insel, durch den Reichtum an trefflichem Reis, an Vieh, Citronen- und Orangenbäumen angelockt, scheuten sie selbst die Gefahren des mörderischen Klimas nicht. Sie scheinen in verschiedenen Teilen der Insel Pflanzungen besessen zu haben, von

1 Durch schwere Erkrankung war der Verfasser an einer eingehenden Be­reisung Pemba's verhindert, was bei nachfolgender Beschreibung in Anbetracht gezogen werden möge.

2 Documents sur FAfrique Orientale, Paris 1856.

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