Anlage HI.
Peantwortung
der Interpellation des Abgeordneten von Reden an das Reichsministerium, die Wirksamkeit der Marine- Abtheilung des Reichsministeriums betreffend, am 30. April 1849.
von dem Reichsminister des Handels Herrn Duckwitz.
Um ein richtiges Bild von der Lage und den Verhältnissen der deutschen Marine zu geben, ist es unerläßlich sich zu vergegenwärtigen, unter welchen Umständen die Marinebehördcn gebildet wurden.
Man würde dem Reichs - Gcfammtministerium sehr Unrecht thun, wenn man annehmen wollte, es habe minder klar als die hohe Nationalversammlung die Dringlichkeit der Errichtung eines Marineministeriums erkannt. Es ist vielmehr häufig, besonders nach dem Abschlüsse des Waffenstillstandes von Malmb, der Gegenstand erörtert worden. Die Frage war nur, wo finden wir einen Minister, der mit den Erfordernissen einer Kriegsmarine genügend bekannt ist? Zn Deutschland war kein solcher Mann vorhanden. Einem Admiral einer fremden Marine, deutscher Sprache und Verhältnisse unkundig, konnte man ein Ministerium nicht antragen. Es war auch keinerlei Aussicht vorhanden, daß irgend ein nahegelegener europäischer Seestaat einem seiner Admirale einen temporären Urlaub geben werde, um Deutschland zu helfen, eine Flotte zur Bekämpfung Dänemark's zu bilden, weil die Gesinnungen der Mächte über die Zerwürfnisse zwischen Deutschland und Dänemark kein Geheimniß waren. Die Erwartungen endlich, welche man überall in Deutschland an die Bildung eines Marincministeriums knüpfte, waren solcher Art, daß jeder, welcher nur die mindeste Kunde davon hatte, was nöthig ist, um eine Flotte zu schaffen, die Ansprüche der öffentlichen Meinung als unausführbar erkannte. Was nur in einem Zeitraume von 10 Jahren als möglich erschien, verlangte man, sollte in 6 Monaten hergestellt werden. Und das Alles von einer Regierung, welche nicht über die Hülfsmittel Eines Landes in fest geordnetem Zustande zu verfügen hatte, sondern aus den guten Willen von vielen Staaten angewiesen war; von einer Regierung, welcher auf jedem Schritt und Tritt Hindernisse sich in den Weg stellten; von einer Regierung, deren problematische Dauer es Männern in festen Verhältnissen wohl bedenklich erscheinen lassen durste,