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Bd. 1 (1836)
Entstehung
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III. Physische Beschaffenheit, Charakter, Sitten, Vergnügungen, Unterrichtsanstalten.

Ä?ehr schwer möchte es fallen, von der physischen Be­schaffenheit und Bildung der Bewohner des Bremischen Frei­staates ein Bild zu cntwersen, welches ein allgemein treffen­des zu nennen wäre. Der weit verbreitete Handel Bremens lockt alljährlich so manchen fremdartigen Stoff aus Deutsch­land sowohl, wie aus ganz Europa und selbst den überseeischen Landern herbei, und dieser schmilzt so bald ^ mit den ursprüng­lichen Elementen der Bevölkerung zusammen, daß das Cha­rakteristische derselben längst verloren gegangen ist. In frühe­rer Zeit, wo diese Einflüsse noch nicht, oder doch nicht in dem Maaße wie jetzt obwalteten, scheint auch ein allgemeinerer Typus der Körperbildung statt gefunden zu haben, wenn man nicht annehmen will, daß die Abbildungen von Festzü­gen auf den alten Gemälden, die auf dem Rathhause und von Privaten aufbewahrt werden, nur Gebilde der Phantasie der Maler gewesen seien. Hier erblickt man die alten Bre­mer in ihrer National-Kleidung fast sämmtlich nach ein und demselben Tnpus gebildet. Die Männer haben in der Re­gel eine mittlere Statur, sind muskulös, untersetzt, haben dunkelblondes Haar, blaue Augen, starken dunklen Bart, die Weiber sind ziemlich klein, eher korpulent als mager. Würde ein jetziger Maler ähnliche Züge getreu darstellen wollen, so würde ein ganz anderes Bild zum Vorschein kom­men, und die Figuren auf demselben eine weit größere Ver­schiedenheit rücksichllich der Form, Größe und Bildung dar­bieten, und nicht eine Spur von nationalem Körperbau her­vortreten. Nur ganz im Allgemeinen läßt sich des­halb folgendes über diesen Gegenstand sagen: die Sta­tur des Bremers ist gewöhnlich die mittlere, ausgezeichnet große Menschen sind hier vielleicht noch seltner, als ausge­zeichnet kleine, zumal beim weiblichen Geschlechte, sein Kno­chenbau ist derb und stark, und ihm entsprechend die Mus­keln, deren kräftige Ausbildung eine nicht unbedeutende Kör­perstärke verräth; die Farbe der Augen ist bei weitem am häusigsten die blaue, und zwar erblickt man viel seltner dun-