III. Physische Beschaffenheit, Charakter, Sitten, Vergnügungen, Unterrichtsanstalten.
Ä?ehr schwer möchte es fallen, von der physischen Beschaffenheit und Bildung der Bewohner des Bremischen Freistaates ein Bild zu cntwersen, welches ein allgemein treffendes zu nennen wäre. Der weit verbreitete Handel Bremens lockt alljährlich so manchen fremdartigen Stoff aus Deutschland sowohl, wie aus ganz Europa und selbst den überseeischen Landern herbei, und dieser schmilzt so bald ^ mit den ursprünglichen Elementen der Bevölkerung zusammen, daß das Charakteristische derselben längst verloren gegangen ist. In früherer Zeit, wo diese Einflüsse noch nicht, oder doch nicht in dem Maaße wie jetzt obwalteten, scheint auch ein allgemeinerer Typus der Körperbildung statt gefunden zu haben, wenn man nicht annehmen will, daß die Abbildungen von Festzügen auf den alten Gemälden, die auf dem Rathhause und von Privaten aufbewahrt werden, nur Gebilde der Phantasie der Maler gewesen seien. Hier erblickt man die alten Bremer in ihrer National-Kleidung fast sämmtlich nach ein und demselben Tnpus gebildet. Die Männer haben in der Regel eine mittlere Statur, sind muskulös, untersetzt, haben dunkelblondes Haar, blaue Augen, starken dunklen Bart, die Weiber sind ziemlich klein, eher korpulent als mager. Würde ein jetziger Maler ähnliche Züge getreu darstellen wollen, so würde ein ganz anderes Bild zum Vorschein kommen, und die Figuren auf demselben eine weit größere Verschiedenheit rücksichllich der Form, Größe und Bildung darbieten, und nicht eine Spur von nationalem Körperbau hervortreten. Nur ganz im Allgemeinen läßt sich deshalb folgendes über diesen Gegenstand sagen: die Statur des Bremers ist gewöhnlich die mittlere, ausgezeichnet große Menschen sind hier vielleicht noch seltner, als ausgezeichnet kleine, zumal beim weiblichen Geschlechte, sein Knochenbau ist derb und stark, und ihm entsprechend die Muskeln, deren kräftige Ausbildung eine nicht unbedeutende Körperstärke verräth; die Farbe der Augen ist bei weitem am häusigsten die blaue, und zwar erblickt man viel seltner dun-