Denkmalpflege in Bremen Heft 20
Georg Skalecki
20 Jahre Industriedenkmalpflege in Bremen
Obwohl die Erkenntnis besteht, dass Zeugnisse der Industrie und Technik wichtige Bestandteile des menschlichen Daseins sind und somit unbedingt auch Gegenstand der Denkmalpflege sein müssen, hat sich eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema in Deutschland erst in den 1980er-Jahren eingestellt. Dies stand im Zusammenhang mit Umstrukturierungen und Stilllegungen der Schwerindustrie an Rhein und Ruhr und im Saarland und dem damit einhergehenden Verlust von markanten Zeugnissen dieser Gattung.
Als vergleichbares Schlüsselereignis für ein verstärktes Nachdenken über die Bedeutung der Hafenobjekte in Bremen kann die Schließung der großen Freihafenbereiche von Industrie-, Europa- und Überseehafen gelten. Die dort geplanten neuen städtebaulichen Akzente zwangen die Denkmalpflege dazu, Position zu beziehen, und so wurde in einer ersten Erfassungskampagne mit dem auswärtigen Büro für Industriearchäologie Rolf Höhmann/Darmstadt der Auftakt zu einer intensivierten Industriedenkmalpflege gemacht. Erste denkmalwürdige Bauten wurden erfasst und unter Schutz gestellt. Erfolgreiche Umnutzungen erfolgten zeitnah zu den Unterschutzstellungen. Dazu wurde bereits ausführlich 2010 in Heft 7 unserer Schriftenreihe berichtet. Dort finden sich neben den ersten Unterschutzstellungen im Bereich der Uberseestadt, wie Schuppen, Speicher, Kaffee HAG, Getreideverkehrsanlage, dann auch Ergebnisse der gestarteten Bewertung von weiteren Industrieanlagen im Land Bremen, so die der Bremer Wollkämmerei in Blumenthal, des Fischereihafens in Bremerhaven oder anderer Einzelobjekte aus dem technisch-industriellen Bereich. Auch in späteren Heften unserer Schriftenreihe haben wir immer wieder
vereinzelt über die Unterschutzstellungen oder denkmalpflegerische Maßnahmen an Industriedenkmälern in Bremen berichtet.
Seit also rund 20 Jahren arbeitet das Landesamt für Denkmalpflege Bremen kontinuierlich und intensiv an der Bewertung der vielfältigen historischen Zeugnisse der bedeutenden Industrie- und Handelsstädte Bremen und Bremerhaven. Wir erheben dabei den Anspruch, die spezifischen Besonderheiten der industriellen Geschichte dieser Orte aufzudecken und möglichst alle Wirtschaftszweige mit dem Schutz einer angemessenen Zahl von Denkmälern zu dokumentieren.
Dazu muss man sich zunächst die große Bedeutung von Industrie und Handel für Bremen vor Augen führen und die geschichtlichen Abläufe Revue passieren lassen. Dabei wird klar, dass Bremen zwar eine Freie Reichsstadt mit sehr langer Tradition und Bedeutung war und ist, jedoch erst im Zuge der Industrialisierung zur Großstadt wurde. Die Jahrhunderte der gleichmäßigen Art des Handels durch Schifffahrt und Lagerung zeigen sich in einigen erhaltenen und geschützten bedeutenden alten Hafenspeichern - z. B. in Vegesack oder dem Gebäude der »Lange Werft«, ebenfalls in Vegesack. Die historische Energiegewinnung, besonders zum Getreidemahlen, dokumentieren die fünf Windmühlen im Stadtgebiet.
Einschneidende Veränderungen gab es zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedingungen wandelten sich in dieser Zeit überall rasant durch die Industrialisierung. Eine erste Entwicklungsphase gab es eher im Umland, allerdings von Bremen ausgehend. Besonders stark wuchs die Stadt dann in einer zweiten Phase nach dem Zollbeitritt Bremens. Bürgermeister Smidt war