Heft 
(2023) Bd. 20. Industriedenkmalpflege
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Denkmalpflege in Bremen Heft 20

Georg Skalecki

20 Jahre Industriedenkmalpflege in Bremen

Obwohl die Erkenntnis besteht, dass Zeugnisse der Industrie und Technik wichtige Bestand­teile des menschlichen Daseins sind und somit unbedingt auch Gegenstand der Denkmalpflege sein müssen, hat sich eine intensive Ausein­andersetzung mit dem Thema in Deutschland erst in den 1980er-Jahren eingestellt. Dies stand im Zusammenhang mit Umstrukturierungen und Stilllegungen der Schwerindustrie an Rhein und Ruhr und im Saarland und dem damit einhergehenden Verlust von markanten Zeug­nissen dieser Gattung.

Als vergleichbares Schlüsselereignis für ein verstärktes Nachdenken über die Bedeutung der Hafenobjekte in Bremen kann die Schlie­ßung der großen Freihafenbereiche von In­dustrie-, Europa- und Überseehafen gelten. Die dort geplanten neuen städtebaulichen Akzente zwangen die Denkmalpflege dazu, Position zu beziehen, und so wurde in einer ersten Erfas­sungskampagne mit dem auswärtigen Büro für Industriearchäologie Rolf Höhmann/Darm­stadt der Auftakt zu einer intensivierten In­dustriedenkmalpflege gemacht. Erste denkmal­würdige Bauten wurden erfasst und unter Schutz gestellt. Erfolgreiche Umnutzungen erfolgten zeitnah zu den Unterschutzstellungen. Dazu wurde bereits ausführlich 2010 in Heft 7 unserer Schriftenreihe berichtet. Dort finden sich ne­ben den ersten Unterschutzstellungen im Be­reich der Uberseestadt, wie Schuppen, Speicher, Kaffee HAG, Getreideverkehrsanlage, dann auch Ergebnisse der gestarteten Bewertung von weiteren Industrieanlagen im Land Bremen, so die der Bremer Wollkämmerei in Blumenthal, des Fischereihafens in Bremerhaven oder ande­rer Einzelobjekte aus dem technisch-indust­riellen Bereich. Auch in späteren Heften un­serer Schriftenreihe haben wir immer wieder

vereinzelt über die Unterschutzstellungen oder denkmalpflegerische Maßnahmen an Industrie­denkmälern in Bremen berichtet.

Seit also rund 20 Jahren arbeitet das Lan­desamt für Denkmalpflege Bremen kontinuier­lich und intensiv an der Bewertung der vielfäl­tigen historischen Zeugnisse der bedeutenden Industrie- und Handelsstädte Bremen und Bre­merhaven. Wir erheben dabei den Anspruch, die spezifischen Besonderheiten der industri­ellen Geschichte dieser Orte aufzudecken und möglichst alle Wirtschaftszweige mit dem Schutz einer angemessenen Zahl von Denk­mälern zu dokumentieren.

Dazu muss man sich zunächst die große Bedeutung von Industrie und Handel für Bre­men vor Augen führen und die geschichtlichen Abläufe Revue passieren lassen. Dabei wird klar, dass Bremen zwar eine Freie Reichsstadt mit sehr langer Tradition und Bedeutung war und ist, jedoch erst im Zuge der Industrialisierung zur Großstadt wurde. Die Jahrhunderte der gleichmäßigen Art des Handels durch Schiff­fahrt und Lagerung zeigen sich in einigen er­haltenen und geschützten bedeutenden alten Hafenspeichern - z. B. in Vegesack oder dem Gebäude der »Lange Werft«, ebenfalls in Vege­sack. Die historische Energiegewinnung, beson­ders zum Getreidemahlen, dokumentieren die fünf Windmühlen im Stadtgebiet.

Einschneidende Veränderungen gab es zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Die wirtschaftli­chen und gesellschaftlichen Bedingungen wan­delten sich in dieser Zeit überall rasant durch die Industrialisierung. Eine erste Entwicklungs­phase gab es eher im Umland, allerdings von Bremen ausgehend. Besonders stark wuchs die Stadt dann in einer zweiten Phase nach dem Zollbeitritt Bremens. Bürgermeister Smidt war