Achim Todenhöfer
Das Altenheim der Egestorff-Stiftung von Werner Heyberger. Ein Kleinod der frühen Reformarchitektur in Bremen
Im Stadtbild Bremens ist es nicht präsent: Das zwischen 1910 und 1912 errichtete Altenheim der Egestorff-Stiftung am Stiftungsweg in Oster- holz-Tenever. Das erste Altenheim moderner Prägung in Bremen liegt verborgen am Ende einer verwunschenen Parkanlage ganz am östlichen Rande Bremens.
Wer sich der gut 75 zu 112 Meter messenden Anlage aus Ziegelmauerwerk mit ihren Sattel- und Walmdächern, Giebeln und Blendbögen nähert, spürt eine zurückhaltende Geschlossenheit und gewissermaßen gewollte Abgeschiedenheit, wie sie einst die Quartiere in historischen Innenstädten des niederländischen und norddeutschen Backsteingebietes mit ihren
Stadtmauern und giebelständigen Häuserzeilen ausstrahlten und wie sie auch in den kleinen innerstädtischen Quartieren Bremens bis zu ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg spürbar waren. Betritt man durch spitzbogige Arkaden den Komplex mit seinem großen begrünten Hof, der durch seitliche Flügelbauten in kleinere Nebenhöfe aufgefächert ist, verlässt man die post-postmoderne Gegenwart und taucht ein in den romantisch entrückt anmutenden Zeitgeist der Vorkriegsjahre des Ersten Weltkrieges. Dieser Zeitgeist wollte in Bremen nach den städtebaulichen Verlusten des späten 19. Jahrhunderts, bedingt durch die Quartiersabbrüche während der Gründerzeit - beispielsweise für
Eingangssituation, Ansicht von Südosten