Heft 
(2020) Bd. 17. Reformarchitektur
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Achim Todenhöfer

Das Altenheim der Egestorff-Stiftung von Werner Heyberger. Ein Kleinod der frühen Reformarchitektur in Bremen

Im Stadtbild Bremens ist es nicht präsent: Das zwischen 1910 und 1912 errichtete Altenheim der Egestorff-Stiftung am Stiftungsweg in Oster- holz-Tenever. Das erste Altenheim moderner Prägung in Bremen liegt verborgen am Ende einer verwunschenen Parkanlage ganz am öst­lichen Rande Bremens.

Wer sich der gut 75 zu 112 Meter messenden Anlage aus Ziegelmauerwerk mit ihren Sattel- und Walmdächern, Giebeln und Blendbögen nähert, spürt eine zurückhaltende Geschlossen­heit und gewissermaßen gewollte Abgeschie­denheit, wie sie einst die Quartiere in histori­schen Innenstädten des niederländischen und norddeutschen Backsteingebietes mit ihren

Stadtmauern und giebelständigen Häuserzeilen ausstrahlten und wie sie auch in den kleinen innerstädtischen Quartieren Bremens bis zu ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg spürbar waren. Betritt man durch spitzbogige Arkaden den Komplex mit seinem großen begrünten Hof, der durch seitliche Flügelbauten in kleine­re Nebenhöfe aufgefächert ist, verlässt man die post-postmoderne Gegenwart und taucht ein in den romantisch entrückt anmutenden Zeitgeist der Vorkriegsjahre des Ersten Weltkrieges. Die­ser Zeitgeist wollte in Bremen nach den städte­baulichen Verlusten des späten 19. Jahrhun­derts, bedingt durch die Quartiersabbrüche während der Gründerzeit - beispielsweise für

Eingangssituation, Ansicht von Südosten