Denkmalpflege in Bremen Heft 17
Georg Skalecki
Reformzeit - Eine Einführung
Das diesjährige Heft »Denkmalpflege in Bremen« beschäftigt sich mit der Zeit der sogenannten Reformarchitektur Anfang des 20. Jahrhunderts. Vielfältige kompetente Beiträge sind zusammengetragen worden, von denen ein von Uwe Schwartz überarbeiteter Auszug aus der Magisterarbeit von Sabine Jacobs zu einer der Hauptpersonen dieser Bewegung, nämlich Emil Högg, grundlegend ist. Diesem Beitrag und den anderen wichtigen Aufsätzen soll deshalb nur eine kurze Einführung vorangestellt werden, die in der Kenntnis der Forschungen von Sabine Jacobs auch auf die jüngsten Beiträge zum Thema »Verein für Niedersächsisches Volkstum« von Wilhelm Tacke verweisen möchte. Zudem ist 2017 im 14. Band der »Denkmalpflege in Bremen« vom Verfasser bereits ein Überblick zur Institutionalisierung der Denkmalpflege in Bremen gegeben worden, in dem die einflussreiche Rolle des »Vereins für Niedersächsisches Volkstum« und damit auch die Reformbewegung beleuchtet wurde.
Dennoch soll hier noch einmal festgehalten werden, dass sich die Denkmalpflege in Bremen sehr spät entwickelte, während sich z. B. Preußen durch das entscheidende und weitreichende »Memorandum zur Denkmalpflege« von Karl Friedrich Schinkel schon 1815 auf den Weg machte, eine institutionalisierte Denkmalpflege aufzubauen. Schließlich fand diese nach Zwischenlösungen im Jahr 1848 mit der Ernennung des ersten deutschen hauptamtlichen Konservators Ferdinand von Quast eine endgültig institutionelle Form.
Im 19. Jahrhundert entstand in einer Krise der Architektur, auf der Suche nach neuen Formen, der Historismus als Bauepoche. Dessen Entstehen wurde unter anderem begünstigt von der Begründung der Kunstgeschichte als wissen
schaftliches Fach, das sich erstmalig fundiert mit früheren Baustilen beschäftigte. Die ersten bauhistorischen Fachpublikationen wurden so auch zu Musterbüchern der Planer oder gaben entscheidende Anregungen für die bauenden Architekten. Den Auftakt zu einer reflektierenden Beschäftigung mit der baulichen Vergangenheit bildete der bereits 1771 verfasste, aber erst unter den Romantikern nach den Napoleonischen Kriegen seine Wirkung entfaltende Aufsatz von Johann Wolfgang von Goethe »Von deutscher Baukunst«, der das Interesse am Studium der Altertümer des eigenen Vaterlandes und eben nicht nur der griechischen und römischen Antike beförderte. Dem folgte die 1828 erschienene Publikation des Karlsruher Baudirektors und Professors der dortigen Bauakademie, Heinrich Hübsch, mit dem bezeichnenden Artikel »In welchem Style sollen wir bauen?«. Dieses Buch drückt programmatisch die Krise der Architektur dieser Zeit aus. Hübsch forderte die Überwindung des Klassizismus und führte den sogenannten Rundbogenstil ein. Damit war der Historismus geboren, der sich entlang der durch die Kunstgeschichte aufgearbeiteten Kenntnisse der Baugeschichte entwickelte. Der Baseler Kunsthistoriker Jacob Burckhard und besonders der an der Berliner Akademie der Künste lehrende Franz Theodor Kugler prägten weiter die Kenntnis und Einordnung der historischen Stile. Ab 1856 erschien das fünfbändige Werk Kuglers »Geschichte der Baukunst«. Er führte den wissenschaftlichen Nachweis, dass die Gotik, im Gegensatz zur früheren landläufigen Annahme in Deutschland, kein originär deutscher Baustil war, sondern ihren Ursprung in Frankreich hatte. Nach dieser aufklärenden Entdeckung verlagerte sich das nationale Inter-