Jacobs ■ Schwartz - Emil Högg. Wortführer der Bremer Reformbewegung
Sabine Jacobs und Uwe Schwartz
Emil Högg. Wortführer der Bremer Reformbewegung in den Jahren 1904-1911
An der Wende zum 20. Jahrhundert definierte sich die Kunstauffassung in Deutschland grundlegend neu. Die über lange Zeit gepflegten akademischen Traditionen hatten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ihre bindende Kraft verloren. Stattdessen entstanden nun kurzlebige Moden, die in schneller Folge entstanden, aber ebenso schnell auch wieder abgelöst wurden. Die beliebige Verwendung akademischer Stile führte dann um 1900 zu einer Rückbesinnung auf die lokalen, unverrückbar eigenen Kunsttraditionen, die in der lokalen Baugeschichte, aber auch im lokalen Kunsthandwerk ablesbar waren. Das Kunstgewerbe gewann dadurch an Einfluss und Bedeutung und wurde zum Ausgangspunkt einer grundlegenden Reform.
»Raumkunst« wird damals ein wichtiger Faktor: Die Architekten entwerfen nun auch passende Interieurs und überlassen diese Aufgaben nicht mehr wie bisher Tischlermeistern oder Spezialbetrieben für Innenausbau. Die akademisch ausgebildeten Architekten müssen sich aber auch der Konkurrenz von »Dilettanten« stellen, die sich im Rausch der Formsuche nach einem neuen, angemessenen künstlerischen Ausdruck als entwerfende Architekten betätigen, obwohl sie von der Ausbildung vielleicht Kunstmaler (Peter Behrens) oder Schriftsteller (Rudolf Alexander Schröder) sind.
Ein wichtiger Künstler dieser Reformbewegung ist Emil Högg (1867-1954). Der damals 37-jährige Architekt, seit 1898 verheiratet und Vater von zwei Kindern, wird 1904 als Direktor an das Bremer Kunstgewerbemuseum berufen - scheinbar ein langweiliger Job für einen akademisch ausgebildeten Architekten (TH Stuttgart 1886-1890, zweites Staatsexamen 1897) nach mehrjähriger Tätigkeit als Baubeamter unter Stadtbaurat Ludwig Hoffmann in Berlin (1897-
Emil Högg, Fotografie von Ursula Richter, um 1930
1904). Betrachtet man jedoch die Energie, mit der Emil Högg sofort Einfluss auf das baukulturelle Geschehen in Bremen nimmt, so erkennt man dahinter mehr Absicht als Zufall. Högg war voller Tatendrang und betrat in Bremen fruchtbaren Boden. Wie er die Reformbewegung in Bremen sofort und im Verlauf aktiv mitgestaltete, davon legen die Bremer Jahre 1904 bis 1911 ein eindrucksvolles Zeugnis ab.
Der vorliegende Beitrag basiert in wesentlichen Teilen auf der 1997 eingereichten Magisterarbeit von Sabine Jacobs, die sich mit dem Lebenswerk von Emil Högg beschäftigt. Deren
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