Heft 
(2020) Bd. 17. Reformarchitektur
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Jacobs ■ Schwartz - Emil Högg. Wortführer der Bremer Reformbewegung

Sabine Jacobs und Uwe Schwartz

Emil Högg. Wortführer der Bremer Reformbewegung in den Jahren 1904-1911

An der Wende zum 20. Jahrhundert definierte sich die Kunstauffassung in Deutschland grund­legend neu. Die über lange Zeit gepflegten aka­demischen Traditionen hatten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ihre bindende Kraft verloren. Stattdessen entstanden nun kurzlebige Moden, die in schneller Folge entstanden, aber ebenso schnell auch wieder abgelöst wurden. Die beliebige Verwendung akademischer Stile führte dann um 1900 zu einer Rückbesinnung auf die lokalen, unverrückbar eigenen Kunst­traditionen, die in der lokalen Baugeschichte, aber auch im lokalen Kunsthandwerk ablesbar waren. Das Kunstgewerbe gewann dadurch an Einfluss und Bedeutung und wurde zum Aus­gangspunkt einer grundlegenden Reform.

»Raumkunst« wird damals ein wichtiger Faktor: Die Architekten entwerfen nun auch passende Interieurs und überlassen diese Auf­gaben nicht mehr wie bisher Tischlermeistern oder Spezialbetrieben für Innenausbau. Die akademisch ausgebildeten Architekten müssen sich aber auch der Konkurrenz von »Dilettan­ten« stellen, die sich im Rausch der Formsuche nach einem neuen, angemessenen künstleri­schen Ausdruck als entwerfende Architekten betätigen, obwohl sie von der Ausbildung viel­leicht Kunstmaler (Peter Behrens) oder Schrift­steller (Rudolf Alexander Schröder) sind.

Ein wichtiger Künstler dieser Reformbewe­gung ist Emil Högg (1867-1954). Der damals 37-jährige Architekt, seit 1898 verheiratet und Vater von zwei Kindern, wird 1904 als Direktor an das Bremer Kunstgewerbemuseum berufen - scheinbar ein langweiliger Job für einen akade­misch ausgebildeten Architekten (TH Stuttgart 1886-1890, zweites Staatsexamen 1897) nach mehrjähriger Tätigkeit als Baubeamter unter Stadtbaurat Ludwig Hoffmann in Berlin (1897-

Emil Högg, Fotografie von Ursula Richter, um 1930

1904). Betrachtet man jedoch die Energie, mit der Emil Högg sofort Einfluss auf das baukultu­relle Geschehen in Bremen nimmt, so erkennt man dahinter mehr Absicht als Zufall. Högg war voller Tatendrang und betrat in Bremen fruchtbaren Boden. Wie er die Reformbewe­gung in Bremen sofort und im Verlauf aktiv mitgestaltete, davon legen die Bremer Jahre 1904 bis 1911 ein eindrucksvolles Zeugnis ab.

Der vorliegende Beitrag basiert in wesent­lichen Teilen auf der 1997 eingereichten Magis­terarbeit von Sabine Jacobs, die sich mit dem Lebenswerk von Emil Högg beschäftigt. Deren

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