Kirsch | Schwartz - Zwei Funktionsbauten der hafennahen Wirtschaft von Erik Schott
Rolf Kirsch und Uwe Schwartz
Zwei Funktionsbauten der hafennahen Wirtschaft von Erik Schott neu unter Denkmalschutz
Im vergangenen Jahr wurden zwei wichtige Bauten aus dem Werk des Bremer Architekten Erik Schott unter Denkmalschutz gestellt. Beide sind Funktionsbauten in Hafennähe, die jeweils eine wichtige Branche des traditionellen Bremer Handels mit Genuss- und Lebensmitteln repräsentieren: die Tabakbörse am Speicherhof und der langjährige Sitz der renommierten Weinhandelsfirma Reidemeister & Ulrichs.
Erik Schott
Erik Schott (1906-1975) gehört zu den bedeutenden Vertretern der Nachkriegsarchitektur in Bremen. Er wurde 1906 in Reval als Sohn eines Architekten geboren. Schott sollte sich für den Beruf des Vaters entscheiden. Er absolvierte ein Studium an der TH Stuttgart unter den prominenten Professoren Bonatz, Schmidthenner und Wetzel. Nach dem Krieg ließ er sich in Fischerhude bei Bremen nieder. Schott war Mitglied der 1945 gegründeten »Aufbaugemeinschaft Bremen« und ab 1947 als sogenannter Gebietsarchitekt für die Betreuung des Wiederaufbaus im Abschnitt »Tiefer« am Rande der Altstadt tätig. Er schuf, teils in Architektengemeinschaft mit Wilhelm Wortmann, zahlreiche Bauten in Bremen, darunter Geschäftshäuser, Industriebauten und Wohnhäuser. Zu nennen sind neben den hier vorgestellten beiden Objekten das Geschäftshaus der Fa. Robert Oscar Meyer an der Tiefer, die Instandsetzung und Erweiterung der »Weserburg« auf der Teerhofspitze, das Bankhaus Martens & Weyhausen in der Langenstraße, das Parkhaus Am Wandrahm/Ecke Bür- germeister-Smidt-Straße, der Fruchthof am Breitenweg und der Seefahrtshof in Bremen-Grohn. Zeitweise war Schott Vorsitzender des einfluss
reichen konservativen Vereins »Lüder von Bentheim«, der sich nach dem Krieg um den Wiederaufbau Bremens verdient machte, aber vor allem durch seine entschiedene Bekämpfung des modernen Luckhardt-Entwurfes für das Haus der Bürgerschaft am Markt in Erinnerung geblieben ist. Kennzeichnend für die Bauten von Schott ist meist eine sachliche, verhaltene Modernität. Insbesondere seine Geschäftshaus- und Industriebauten zeigen eine aus der Funktion entwickelte strenge Gestaltung unter Verwendung unprätentiöser, aber prägnanter Ausdrucksformen. Ein beliebtes Motiv war dabei die Betonskelettbauweise mit am Außenbau sichtbar gemachtem Stützen- und Deckenraster und roter Backsteinausfachung, wie sie 1949 erstmals beispielgebend für Bremen von den Architektenkollegen Säume & Hafemann beim Bau des Speichers I im Europahafen verwendet worden war. Dieses Gestaltungsmerkmal zeigen auch die beiden hier behandelten Bauten.
Tabakbörse
Infolge des gegen Ende der 1950er-Jahre eskalierenden Westneuguinea-Konfliktes verstaatlichten die Indonesier die ehemals niederländischen Tabakplantagen, beendeten die traditionelle Vermarktung der indonesischen Tabake aus Sumatra und Java über die Niederlande und boten den Bremer Tabakhändlern die Verlagerung des Geschäftes in die Hansestadt an. Die Wahl Bremens war auf das Renommee der Stadt als eines wichtigen Zentrums des Tabakhandels zurückzuführen.
Der Bremer Tabakhandel nutzte die Chance durch einen im Februar 1959 mit der indonesischen Regierung geschlossenen Vertrag. Die
119