Heft 
(2014) Bd. 11. Mittelalterliche Kirchen
Seite
97
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Senior - Der Dominikanerorden in Bremen

Timothy J. Senior

Der Dominikanerorden in Bremen: Die Formung einer religiösen, kulturellen und städtischen Struktur

Einleitung

Stellen Sie sich vor, Sie überqueren im Mittel­alter die Stadtgrenze am Herdentor; Sie halten sich wegen des Gestanks aus den Schweinestäl­len die Nase zu und betreten die enge Söge­straße. Links von Ihnen steht die Kirche des Katharinenklosters, deren monumentale Back­steinfront die Stadtlandschaft überragt. Wenn Sie die Kirche betreten, sehen Sie hoch über sich ein Deckengewölbe, das einen Raum ab­schließt, in den breite Lichtstrahlen eindrin­gen. - Im Jahre 2014 hat Sie Ihre Reise zum Herrenausstatter »Wormland«, Sögestraße 47, geführt. In diesem gedrungenen Raum mit mo­discher Herrenkleidung lässt es sich wohl schwer vorstellen, wie das Katharinenkloster das Stadt­bild des heutigen Bremen mitgestaltet hat. Die­ser Aufsatz beschäftigt sich mit der Geschichte der Dominikaner in Bremen. Er wird aufzeigen, wie ihr architektonisches, städtisches und ge­lehrtes Vermächtnis auch fast 800 Jahre nach ihrer Ankunft in der Stadt noch immer von Bedeutsamkeit für die Gegenwart ist.

Die Dominikaner kommen nach Bremen

Der Dominikanerorden war von dem spani­schen Priester Dominic de Guzman gegrün­det worden und wurde 1216 von Papst Hono- rius III. anerkannt. Die Predigerbrüder (Abb. 1A), die sich wissenschaftlichen Studien und der Rettung von Seelen durch das Predigen in der jeweiligen Landessprache widmeten, verteilten sich schnell über Europa, wobei sie prosperie­rende Städte und wichtige Zentren der Gelehr­samkeit bevorzugten. Da sie in Armut lebten,

verdienten sie ihren Lebensunterhalt durch das Erbetteln von Almosen, was wiederum von dem Erfolg ihrer missionarischen Arbeit abhing.

Der Chronik von Rynesberg und Schene zufolge kamen die Dominikaner am 9. Oktober 1225, in demselben Jahr wie die Franziskaner, auf Einladung des Erzbischofs Gerhard II. von der Lippe nach Bremen. Sie lebten sich in kur­zer Zeit ein und etablierten sich als einflussrei­che Mitglieder der Stadtgemeinde. 1227 folgte ein Empfehlungsschreiben von Papst Gregor IX., und bald wurde den Mönchen durch den Ein- fluss des Dominikaners Johannes von Wildes­hausen die Visitation der Diözesen Bremen und Verden anvertraut.

Obwohl sie sich der Armut verschrieben hatten, waren den Dominikanern die Annahme von Vermächtnissen und Landbesitz erlaubt, solange sie den höheren Bestimmungen des Ordens dienten. Im Jahr ihrer Ankunft über­gab ein wohlhabender Bremer Bürger namens Rembert den Brüdern unbebautes Land nahe der Sögestraße und ermöglichte ihnen so die Gründung ihres Kösters. Dieses Baugrundstück war schon damals durchaus prominent. Die Sögestraße war eine der Hauptstraßen des mit­telalterlichen Bremen. Sie zog sich vom Herden­tor im Norden vorbei am Vorgängerbau des heutigen Rathauses an der Ecke zur Obern­straße bis hin zum Marktplatz. Dieser hekti­sche, lebhafte Ort eignete sich vorzüglich für die Ziele und Bedürfnisse des Ordens.

Die Dominikaner wurden bald von Erzbi- schof Gerhard II. in Dienst genommen und damit beauftragt, die Stedinger - eine Bauern­schaft an der Unterweser nordwestlich von Bre­men, die sich weigerte, dem Erzbistum den Zehnten zu bezahlen - zu bekehren. Nach der Enthauptung eines der Mönche durch die Ste-