Denkmalpflege in Bremen Heft 11
Hans-Christoph Hoffmann
Bremens mittelalterlicher Dom
Eine Beschreibung des Doms aus der Zeit vor oder um 1520 kann sich nur im Ungefähren bewegen. Zu gering sind präzise Quellen, Berichte und Darstellungen, ganz besonders von dessen Ausstattung vor der Reformation, zu groß die Veränderungen am Äußeren dieses großen Baues. Am größten ist die Unsicherheit beim Ur-Dom des 11./12. Jahrhunderts, wo nicht nur die Spanne der Entstehungsdaten um wenigstens 60 Jahre auseinandergeht, sondern auch die Fragen nach der Grundfigur des Doms - Apsidenchor oder quadratischer Chor mit geradem Chorschluss, Vierungsturm, Bauleistung von Adalbert, Westbau mit Campanile - nicht abschließend geklärt sind. Doch auch aus der Summe der Fragen, die die Suche nach der spätmittelalterlichen Gestalt des Doms aufwirft,
Karl d. Gr. und Willehad mit dem Modell des Doms, Wandgemälde im Bremer Rathaus von Bartholomäus Bruyn d.A., 1532
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lässt sich ein Bild gewinnen - ein ungefähres wenigstens. Eine Ursache für die Unsicherheiten ist der Verlust großer Teile des Domarchivs bis 1645 infolge der Zerstörung des Staatsarchivs in Hannover durch einen Luftangriff 1943.
Die älteste Darstellung des Doms, der wir ein hohes Maß an Wirklichkeitstreue nicht abstreiten können, befindet sich im Rathaus und dort als Wandbild im westlichen Teil der Nordwand der Oberen Rathaushalle. Das Bild ist auf das Jahr 1532 datiert, der Künstler war vermutlich Bartholomäus Bruyn d.Ä. Es zeigt die von den Domgründern Kaiser Karl dem Großen und Bischof Willehad gemeinsam gehaltene zweitürmige Westfront in außergewöhnlicher Detailfülle. Die wiederum lässt uns erkennen, dass sich bis 1887 gar nicht so viel verändert hatte, wie man durch den Verlust des Südturms annehmen möchte. Zwar war 1638 der kleinere Turm, der südliche, eingestürzt, über welches Unglück ein genauer Bericht vorliegt, doch zeigen Fotos aus der Zeit vor 1885, dass das Portal im Nordturm (das des eingestürzten Turms war identisch), die Gliederung der beiden Felder zwischen den Portalen, einschließlich ihres bildnerischen Schmucks, die Lage der hölzernen Galerie, die Jungfrauengruppe und endlich die Marienkrönung in der Giebelspitze der Darstellung auf dem Rathausbild entsprechen. So wird man letztlich glauben dürfen, dass es das, was auf den frühen Fotos nicht abgelichtet wurde - nämlich die fünf Figuren, die in der Sockelzone auf den Konsolen standen, eine Figur im Giebel des eingestürzten Turms und an diesem auch schon eine Uhr -, wirklich gegeben hat. Gegenüber diesem Bild kann die Darstellung des Doms in der Mitte der Brüstung des Westchors, entstanden um 1510, nur als eine Abbreviatur gesehen werden.