Wilhelm Tacke
Kurze Geschichte der Propsteikirche St. Johann in Bremen
I. Die Franziskanerkirche
Über die Ankunft der Franziskaner in Bremen sind wir urkundlich nicht informiert. Anders verhält es sich mit den Dominikanern, die 1225 nach Bremen kommen. Der Klosterkatalog von 1340 setzt den Bremer Konvent an die erste Stelle vor den Hamburgs. Da das Hamburger Kloster aber nachweislich 1227 gegründet wird, kann, so Ingo Ulpts, gefolgert werden: »Die Minoriten sind um 1225, auf jeden Fall vor 1227, nach Bremen gekommen.« Die ersten
St. Johannis, Ansicht von Kirche und Kloster, Federzeichnung von Johann Daniel Heinbach, 1764
Minderbrüder klopfen vermutlich 1225 beim Rat und beim Erzbischof Gerhard II. an. Sie bitten um ein Grundstück. Sie haben Glück und bekommen eines aus erzbischöflichem Besitz in der Nähe der Balge.
Wie die erste Klosterkirche ausgesehen hat, entzieht sich unserer Kenntnis. Rudolf Stein
meint, sie sei eine Basilika gewesen. Etwas mehr als hundert Jahre nach dem Bau der ersten Kirche machen sich die »grauen Mönche« daran, eine größere Klosterkirche zu bauen, die heutige Propsteikirche St. Johann. Der Ordensgründer selbst hat keine Vorschriften für den Bau einer Klosterkirche erlassen, wohl aber das Generalkapitel von Narbonne 1260: Es fordert, »dass die Erlesenheit der Gebäude an Malereien, Tabernakeln, Fenstern, Säulen und dergleichen, ebenso das Ubermäßige an Länge, Breite und Höhe möglichst streng vermieden werde... Die Kirchen aber sollen in keiner Weise gewölbt werden mit Ausnahme des Presbyteriums. Im Übrigen soll der Campanile nirgends nach Art eines Turmes errichtet werden.« All das widerspräche dem Ordensideal der Armut.
Die zweite Klosterkirche ist eine Hallenkirche. Der Bau verstößt zwar gegen das Gebot, nur das »Presbyterium« einzuwölben, denn die Kirche ist komplett eingewölbt, aber man hält sich an das Verbot, einen »Campanile« zu errichten. Ein Dachreiter genügt, denn dessen Glocke soll ja nur die Mönche zu Gottesdiensten wie Stundengebeten rufen. Das Jahr der Kirchweihe von St. Johann ist uns nicht bekannt, wohl aber der Kirchweihtag: »Mittwoch in der Pfingstwoche«. Zur Bauzeit fehlen exakte Angaben. Aber mit der Kirchenbauspende von Johannes Bud - um 1400 Kanoniker an Sankt Ansgarii - haben wir, so Patricius Schlager, »eine schriftliche Bestätigung dessen, was der Bau selbst über die Zeit seiner Entstehung meldet«: Die »rein gotischen Formen« bewiesen, dass er frühestens der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts angehöre, während die strenge Linienführung der Architektur dafür spräche, dass er vor Ende des 14. Jahrhunderts vollendet wurde. Rudolf Stein vermutet, dass der Reichtum der