Heft 
(2009) Bd. 6. [Kirchenbauten]
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Denkmalpflege in Bremen Heft 6

Eberhard Syring

Carsten Schröck: Protagonist des modernen Kirchenbaus in Bremen

Die Zeit des Aufbaus Bremens nach dem Zwei­ten Weltkrieg, die mit großem Schwung An­fang der 1950er Jahre einsetzte und Anfang bis Mitte der 1970er Jahre zu ihrem Abschluss kam, hatte mehrere große Bau-Themen. Als Erstes denkt man dabei sicher an den Wohnungsbau mit der Neuen Vahr als einem über die Grenzen der Hansestadt hinauswirkenden Leuchtturm- Projekt. Aber auch der Schulbau unter der Kon­zeption des fortschrittlich gesinnten Oberschul­rats Wilhelm Berger hatte herausragende archi­tektonische Ergebnisse zu verzeichnen. Gleich danach muss aber schon der Sakralbau erwähnt werden: In keiner Zeit sind so viele Kirchen gebaut worden wie in den zweieinhalb Jahr­zehnten zwischen 1950 und 1975. Allein für die beiden großen christlichen Religionsgemein­schaften entstanden in diesem Zeitraum rund sechzig neue Gotteshäuser - weit mehr als die Hälfte davon in den 1960er Jahren. Daneben gab es noch zahlreiche Neubauten für kleinere Religionsgemeinschaften. Die Bautätigkeit für die Kirchen umfasste zudem etliche Gemeinde­häuser im Umfeld älterer Kirchen.

Der Kirchenbau-Boom geht nur zum Teil auf die Kriegszerstörung von Kirchengebäuden zurück. Entscheidend waren die städtebauliche und die demografische Entwicklung. Wie an­dere Großstädte in der Bundesrepublik hatte auch Bremen ein starkes Wachstum zu verzeich­nen. Schon Anfang der 1950er Jahre wurde die Vorkriegseinwohnerzahl von 445.000 erreicht. Die Zahl stieg auf knapp unter 600.000 in den 1960er Jahren an. Durch die Vertriebenen aus den Ostgebieten und die Flüchtlinge aus der DDR veränderte sich zudem das konfessionelle Bevölkerungsgefüge. Die Zahl der Katholiken stieg in der Hansestadt beträchtlich an, unter­stützt auch durch die erste Gastarbeiterwelle

aus südeuropäischen Ländern. Katholische Kir­chen wurden in fast allen Stadtteilen errichtet. Von Mitte der 1950er Jahre bis zu Beginn der 1970er Jahre wuchsen von der Gartenstadt Vahr bis Tenever etliche Stadterweiterungsgebiete an den Rändern der Stadt. Hier entstanden neue Gemeinden aller Konfessionen, die sich neue Gotteshäuser bauten. In den Neubausiedlungen wurden die Häuser der Gemeinden zu wich­tigen Treffpunkten. Sie kompensierten zum Teil das Fehlen kommunaler Kultureinrichtun­gen. Darüber hinaus waren die ersten Nach­kriegsjahrzehnte durch eine - im Vergleich zu heute - größere religiöse Aktivität in der Be­völkerung gekennzeichnet. Es gab, nach den Jahren der Diktatur, des Krieges und der Not, ein ausgeprägtes Bedürfnis nach spiritueller Geborgenheit.

Wie schlugen sich nun die Bauaktivitäten der Gemeinden architektonisch nieder? Der Bremer Kirchenbau liefert in einem gewissen Maß ein Spiegelbild der allgemeinen Architek­turdiskussion. Diese war zunächst geprägt durch eine Auseinandersetzung zwischen Traditiona­listen und Modernisten, eine Auseinanderset­zung, die sich zum Teil auch als Generations­konflikt verstehen lässt. Bezogen auf den Bre­mer Kirchenbau ist der Traditionalismus gut an Namen wie Fritz Brandt, Eberhard Gilde­meister und Friedrich Schumacher festzuma­chen, Architekten, die ihre Berufslaufbahn in den 1930er Jahren begonnen hatten und von denen man in Bremen heute insgesamt fünf­zehn Kirchen finden kann, die aus den Nach­kriegsjahrzehnten stammen. Eine gediegene handwerkliche Ausführung mit traditionellen lokalen Baumaterialien - insbesondere Ziegel­sich tmauerwerk -, tief heruntergezogene Dächer und fein gesprosste Fenster sind typische Kenn-