SoetKe als (ZrotzKopKta
Cin Dlatt aus den Sammlungen der Kunsthalle
Von <Z. Pauli
ler SroßKophta gehört nicht zu den Schriften Goethes, die wir mit Vorliebe aufsuchen, wenn wir uns dem tZücher- brett nähern, um aus den Werken des (Deisters uns eine Stunde der Erholung zu bereiten. Manches an dem Lustspiel erscheint uns als allzu aktuell und darum veraltet - die Erinnerung an den großen Abenteurer Lagliostro, die auch in dem Namen des Melden, des »Lonte di I^ostro impudente" wiederklingt, oder die Andeutungen der berüchtigten fzalsbandgeschichte des Lardinals I^ohcm. Anderes wieder befremdet uns, weil es der Sröße des politischen Hintergrundes der berührten Ereignisse nicht gerecht wird, indem es sie, ähnlich wie im Vürgergeneral, spielend in eine niedere Sphäre herabzieht. Und der tzumor erheitert uns nicht. Man möchte glauben, daß die Tonart, die Goethe hier anzuschlagen versucht, nun einmal das Privileg minder erhabener Leister sei. Doch es sei ferne von uns, mit dem Schatten des Einzigen zu rechten. (Zoethes Bedeutung ist für uns alle so groß, jeder Zug seines Wesens und seines Lebens in seiner allumfassenden Menschlichkeit uns so teuer, daß wir jeden neuen veitrag zur Kunde von ihm freudig willkommen heißen.
Und einen solchen lZeitrag bietet das hier reproduzierte vlatt, eine aquarellierte Federzeichnung von 20:12 cm Umfang. Es stellt (Zoethe in der I^olle des SroßKophta dar und zwar in der neunten Szene des dritten Aktes, da der falsche Prophet in einem (Zewand von (Zoldstoff mit verschleiertem Antlitz vor der Kleinen Versammlung seiner Setreuen sitzt, um sich ihnen, plötzlich aufspringend, mit den Worten ,.?a, der (Zraf" zu entdecken. Viesen Augenblick zeigt unser vild. Oer rote schleierartige Überwurf wallt zurück und mit mächtiger Sebörde vortretend spricht der Magus sein offenbarendes Wort.