Jahrgang 
1905: 1903/04
Entstehung
Seite
242
Einzelbild herunterladen
 

24 2

V. Deutsch-Neu-Guinea. B. Friedrich-Wilhelmshafen.

angreifenden und aucli nicht immer sicher wirkenden Tymolkuren mehr oder weniger lang andauernde Arbeitsunfähigkeit bedingt wird, sehe ich jetzt von den in Massen durchgeführten Kuren ah. Kur in den Fällen, in denen vorhandene Krankheitserscheinungen auf die Anwesenheit von Würmern zurückgeführt werden können, leite ich jetzt noch Tymolkuren ein, die zwei- bis dreimal in acht­tägigen Zwischenräumen in grofsen Dosen von 68 g wiederholt werden.

Wenn Ankylostomata duodenalia hier bisher bei Europäern auch noch nicht beobachtet worden sind, so wird man doch gut tun, in jedem Krankheitsfalle bei Europäern den Stuhl auch auf Würmer oder Eier zu untersuchen, besonders bei den Leuten, die nach Europa zurückkehren. Auch bei Untersuchungen von Tropen­leuten in der Heimat wird man das nicht aufser acht lassen dürfen.

Bei sechs Sektionen, davon zwei Kinder, fanden sich je ein bis zwei Spulwürmer. In neuester Zeit ist auch von einem Europäer bei Beginn eines Fieberanfalls ein 25 cm langer Spulwurm er­brochen worden.

b. Geschlechtskrankheiten.

Bei den Eingeborenen von Kaiser-Wilhelmsland, den Papuas, sind Geschlechtskrankheiten bisher nicht beobachtet worden. Die Erkrankungen betreffen vielmehr Leute aus dem Archipel, die ja schon viel länger mit Europäern in Handelsverbindung stehen und gröfstenteils viel weniger unter sich abgeschlossen leben als die Papuas.

Auch die eigentümliche Geschlechtskrankheit,das venerische Granulom, habe ich bei Papuas noch nicht gesehen. Diese Er­krankung findet sich am häufigsten bei Leuten aus Heu-Mecklen­burg; oft kommen die Leute, als Arbeiter angeworben, schon mit weit vorgeschrittenem Leiden hierher und bringen Monate ja Jahre im Hospital zu.

Bei Schmierkuren und auch bei Anwendung des Quecksilbers bei anderen Erkrankungen in der Form von Kalomel usw. tritt fast stets bei Europäern und Farbigen trotz sorgfältigster Mundpflege eine Stomatitis auf. Diese Häufigkeit der Quecksilberstomatitis ist auffallend. Es ist mir unbekannt, ob sie auch sonst so oft in tro­pischen Ländern beobachtet wird und ob diese Wirkung vielleicht auf Einflüsse des Klimas zurückzuführen ist.