444
VIII. Die Staaten und Kolonien.
sind überhaupt fast unbekannt; man weiß nur, daß gute Häfen, wie die Tausendschiffbucht auf Jsabel, die Choisenl-Bucht auf Choiseul, den Verkehr erleichtern werden. Einstweilen verkehren nur selten Schiffe im Salomon-Archipel und dann hauptsächlich nur der Anwerbung von Arbeitern und der Tripang-Fischerei wegen. Die Südost- und Nordmestküsten voll Jsabel und Choisenl, die Südostseite von Bongainville und die Umgebung der Shortland-Inseln sind Tri- pang-Gründe, die Westseite voll Bongainville, die Inseln Fauro und Shortland Kopra-Gebiete. Hier wohnen denn auch die vereinzelten Händler in den wenigen Handelsstationen. An und für sich war es sehr schwer für Händler und Missionare, aus den Salomonen überhaupt Fuß zu fassen; 1886 z. B. ersuchten die Eingeborenen von Buka, den seit 1885 im Auftrage der Firma Farrell u. Komp. nahe dein Carola-Hafen ansässigen Händler wieder mit wegzunehmen.
Darum ist selbst, seitdem im Jahre 1886 die deutsche Flagge gehißt wurde, kaum ein Fortschritt in Wirtschaft oder Handel der Salomonen zu verzeichnen. Seit dem Januar 1886 lebt auf der Insel Mnnia bei Fauro, zwischen Bongainville und Choiseul, der Amerikaner MacDonald mit seiner Fmnilie; außerdem besuchen weiße Missionare der melanesischen Mission der englischen Hochkirche zeitweilig die voll Farbigen geleiteten Missionsstationen auf demSüdostende voll Jsabel. Verkehr findet innerhalb des Kreises der deutschen Salomonen fast gar nicht statt; australische Segelschiffe dehnen zuweilen ihre Fahrten bis Fauro aus; aber irgend welcher regelmäßiger Verkehr fehlt in der ganzen Gruppe, und die nördlichen Salomonen läuft überhaupt nur sehr selten ein Schiff all, wie im November 1888 und im September 1893 die „Jsabel" unter dem Landeshauptmann. Der Handel bietet bisher auch wellig, die ganze Kopra-Produktion her Salomonen wird auf 70 Tonnen im Jahre geschätzt; sie könnte größer sein, wenn die Jnlandbewohner von den Küstenstämmen an das Meeresnfer herangelassen würden und die Preise der australischen Handelsschiffe niedriger wären. Der Tripang hat nur geringen Wert; der Preis beträgt 10 Stangen Tabak für 10 Pfund getrockneter Ware. Im übrigen wird noch Schildpatt gewonnen, und Elfen- beinnüsse werden ausgeführt. Im ganzen ist bisher der Salomon-Archipel ein noch völlig ursprüngliches Gebiet. Die bestell Aussichten für Pflanzungen und Arbeiteranwerbnng bietet das dichtbevölkerte Bongainville, die schlechtesten das schwach besiedelte Jsabel und Süd-Choiseul.
6. Die Marshall-Inseln.
Die Marshall-Jnseln sind am 15. Oktober 1885 unter deutschen Schutz gestellt worden und bilden den kleinsten, aber am dichtesten bevölkerten Teil der deutschen Besitzungen. Alls einem Flächenraum voll nur 410 qkm sitzen hier etwa 15,000, nach Steinbach 12—13,000 Menschen, was eine Volksdichte von 30—37 auf das Quadratkilometer ergibt. Noch stärker bewohnt ist aber die kleine Insel Nawodo (Nauru oder Pleasant Island; vgl. S. 144), eine fast unter dem Äquator gelegene Insel von nur 5 hkm Areal, auf der 1324 Menschen wohnen; das macht also 265 auf das Quadratkilometer. Nawodo ist die jüngste deutsche Erwerbung in der Südsee, da sie erst am 16. April 1888 dem deutschen Schutzgebiet zugefügt worden ist.
Die Erwerbung der Marshall-Jnseln ist eine Folge des ausgedehnteil Handels, den deutsche Kaufleute, und zwar wiederum die des Hauses Johann Cesar Godeffroy, mit den Eingeborenen zunächst zum Zweck der Kopra-Gewinnung betrieben haben. Die erste Ansiedelung eines deutschen Händlers fällt in das Jahr 1864; doch waren scholl in den fünfziger Jahren mehrfach amerikanische Schiffe an die Inseln gekommen, um Palmöl einzuhandeln, und seit 1855 befand sich auch eine Missionsstation auf einer der Inseln der Nalik-Gruppe. Um 1873 hatte sich das Halls Godeffroy bereits auf die Inseln Jaluit, Ebon und Numerik sowie Mille und Maloelap ausgebreitet und damals bereits Jaluit als Handelszentrum für ganz Mikronesien