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VIII. Die Staaten und Kolonien.
aber 1836 wieder eilt und beschränkt sich fast darauf, Kriegsschiffe die Küste von Zeit zu Zeit besuchen zu lassen. Der bekannteste, von Naturforschern am häufigsten besuchte Ort der Eingeborenen ist Dore, eine Pfahlbauniederlassung am Eingang der Geelvink-Bai, von der A. R. Wallace (,Der Malayische Archipels folgende Beschreibung gibt: „Die Häuser stehen alle vollständig im Wasser, und man gelangt auf langen rohen Brücken zu ihnen. Sie sind sehr niedrig und besitzen ein Dach, das wie eilt großes, mit dem Boden nach oben gerichtetes Boot geformt ist. Die Pfähle, welche die Häuser, die Brücken und Plattformen tragen, sind kleine, krumme, unregelmäßig aufgestellte Stöcke, die aussehen, als ob sie umfallen wollten. Die Fußböden sind auch aus Stöcken gemacht, ebenso unregelmäßig und so lose und weit auseinander liegend, daß ich es für unmöglich fand, auf ihnen zu gehen. Die Wände bestehen aus Stücken Bretter von alten Boten, Matten, Ataps und Palmblättern, die auf alle mögliche Weise hier und da hineingesteckt sind, und sie haben alle eilt so zerlumptes und verfallenes Aussehen, wie man es sich nur denken kann. Unter den Dachtraufen vieler Häuser hingen menschliche Schädel, Trophäen ihrer Kämpfe mit den wildert Arfaks im Inneren, welche sie oft angreifen. Eilt großes bootsörmiges Versammlungshaus steht auf größeren Pfählen, von denen jeder grob geschnitzt ist und eilte nackte männliche oder weibliche Figur darstellt, und anderes, noch überwältigenderes Schnitzwerk steht auf der Plattform vor den: Eingänge."
Die westlich vor Neuguinea liegenden Inseln bergen nur kleine Dörfer. Die Küste von Salwati umsäumen neun mohammedanische Dörfer von 700 Einwohnern im ganzen, im Inneren mögen noch 1300 Menschen leben; das größte voll jenen ist Sailolo mit 260, das bekannteste Säumte oder Kawoknililin mit 180 Bewohnern. Die Insel Batanta hat nicht den Vorzug, eine feste Bewohnerschaft zu beherbergen: nur zu bestimmten Zeiten kommen die Insulaner voll Waigeu, Gebe und Salwati zum Tripangfang und zum Schildpattsammeln dorthin. Alls dem westlichen Teil, der durch eiueu Meeresarm in nahezu gleiche Hälften fast ganz zerschnittenen Insel Waigeu, liegt Nok, auf dem östlichen Ofak, auf dem Isthmus Samsam: alle drei nur kleine, ganz unbedeutende Ortschaften.
Alls der Hauptinsel befinden sich südlich von Dore die Wohnplätze Mansimam, Moru, Warbusi, Siari, und eine Reihe kleiner Ortschaften umgeben die Geelvink-Bai, an deren Aus- gange auch die Schouten-Jnseln und Jappen gut bewohnt sind; der lMtptsächlichste Handelsplatz auf Jappelt ist die Ansus-Bucht an der Südwestküste. Um die MacCluer-Bai herum liegen ebenfalls eiltige Handelsplätze, wie Sekaar am Südausgang derselben. Die Herrschaft der Holländer und des Sultans von Tidore erstreckt sich auf der Westseite etwa bis zur Insel Adi oder Wessels; von da nach Südosten hin besteht jedoch so wenig politische Autorität irgend einer europäischen Macht, daß das Land nur dem Namen nach zu Holland gehört. Diese Küste ist außerordentlich dünn besiedelt und fast ganz unbekannt.
Die Aru-Jnseln stehen unter der Verwaltung von Nadschas oder Gnlidjindjinan, die von der Bevölkerung gewählt werden.
3. Are deutschen Aesihungen in Hzeanren.
- Die jüngste Kolonialmacht in der Südsee ist Deutschland, da erst seit dem Jähre 1885 das jetzige Kaiser-Wilhelms-Land und der Bismarck-Archipel, seit Ende 1886 auch die nordwestlichen Salomonen unter deutschen Schutz gestellt worden sind; außerdem wurde 1885 die Inselgruppe der Marshall-Jnseln uud 1888 Nawodo deutsch. Dieser Besitz umfaßt jetzt 251,420 gkm (d. h. also ein Gebiet beinahe so groß wie halb Deutschland) und 403,000 Einwohner und setzt sich zusammen aus: