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VIII. Die Staaten und Kolonien.
bindmrg. Seitdem wurde alle sechs Wochen ein Dampfer nach Surabaya geschickt, um den Anschluß an die „Stoomvaart Maatschappij Nederland" zu erzielen, 1802 aber eine Verbindung mit dem „Norddeutschen Lloyd" in Singapur angeknüpft. Zuerst lief der von dieser Gesellschaft gemietete Dampfer „Schwalbe" von Juni 1892 an alle acht Wochen nach Neuguinea, meist mit voller Ladung. Seit April 1893 ist aber, nachdem die Zweiglinie Sydney-Samoa des „Norddeutschen Lloyd" eingestellt war, der dadurch frei gewordene Dampfer „Lübeck" gewonnen worden. Dieser macht jetzt alle zwei Monate die Reise von Singapur nach Neuguinea und den: Bis- marck-Archipel und läuft dabei Batavia, Friedrich-Wilhelms-Hafen, Stephansort, Finschhafen, Herbertshöhe und Matupi auf Neupommern an; auf der Rückfahrt wird wiederum Herbertshöhe, Stephansort und Friedrich-Wilhelms-Hafen, nach Bedarf auch Amboina und Ternate, regelmäßig Surabaya und Batavia besucht. Sonnt haben die Schiffe der Neuguinea-Kompanie „Makel" und „Senta" Gelegenheit, sich der Arbeiteranwerbung zu widmen, und die Dampfbarkasse „Freiwald" besorgt den Küstendienst zwischen den Stationen von Kaiser-Wilhelms- Land. In: Jahre 1893 kamen in Friedrich-Wilhelms-Hafen 42 Dampfer und 3 Segelschiffe, darunter 25 Schiffe der Neuguinea-Kompanie, mit einer Gesamtzahl voll 27,159 Tonnen sowie 3 Kriegsschiffe mit 4000 Tonnen Gehalt an.
Die ruhige und stetige Entwickelung der Kolonie Kaiser-Wilhelms-Land läßt die Hoffnung auf eine erfreuliche Zu kirn st zu. Die mehrmalige Aufgabe und Verlegung der Stationen darf darin nicht irre machen; das ist eine bei allen Kolonialgründungen an bisher nicht besiedelten Küsten beobachtete Erscheinung. Die Tabakspflanzungen haben außerordentlich günstige Ergebnisse geliefert, die Kultur der Baumwolle scheint ebenfalls viel Erfolg zu versprechen. In Bezug auf die anderen Pflanzungen läßt sich noch kein Urteil füllen; übrigens beabsichtigt ja die Neuguinea-Kompanie, zunächst vorwiegend Tabak und Baumwolle zu pflanzen. Alls eine baldige Entwickelung der Viehzucht und des Bergbaues ist nicht zu rechnen, sondern die Kolonie wird vorwiegend Plantagenbau treiben müssen. Der Handel hat sich bisher gut entfaltet. Von 1885 bis 1892 betrug die Einfuhr im ganzen 4,023,414 Mark, an: meisten im Jahr 1891 mit 1,017,022 Mark, 1892 nur 732,015 Mark; aus außereuropäischen Häfen kamen Waren im Werte von 1,800,000 Mark, der Rest von 2,200,000 Mark aus europäischeil.
Aufgewendet wurden in den Jahren 1884 — 90: 4,803,197 Mark 82 Pf., davon für die Häuser, Hafenanlagen, Lagerbestände, Kassen, Inventar: 1,420,231 Mark 17 Ps., für die Verwaltung, Betriebskosten und den Grunderwerb: 3,382,966 Mark 65 Pf. Die Einnahmen waren anfangs natürlich kaum nennenswert, so daß 1888/89 ein Fehlbetrag voll 781,171 Mark 39 Pf. und 1889/90 ein solcher von 632,723 Mark 98 Pf. entstand. Auf eine Verzinsung des Kapitals ist selbstverständlich erst in einer Reihe voll Jahren zu rechnen; allein die Gesamtausgabe ist, wie H. Zöller bemerkt, der eines größeren Neubaues in großen deutscheil Städten gleichzustellen, und doch haben wir damit eine Kolonie erhalten. Seit dem September des Jahres 1888 ist Kaiser-Wilhelms-Land der freien Einwanderung erschlossen; doch ist bisher keill Gebrauch davon gemacht worden, wohl deshalb, weil immerhin ein bedeutendes Kapital dazu gehört, um Ernten zu erzielen und zu verkaufen. Dagegen hat sich mit großem Kapital die Astrolabe-Gesellschaft gebildet, deren Aussichten günstig sind. Jedenfalls spornt das bisher Erreichte zu weiteren Anstrengungen all und erlaubt bei der herrschenden Ruhe, Ordnung und Sicherheit die Hoffnung auf eine gedeihliche Entwickelung.
ll. Der Bismarck-Archipel und die nördlichen Salomonen.
Der deutsche Bismarck-Archipel umfaßt die Inseln Neupommern, Neumecklenburg, Neuhannover, die Neulauenburg-Gruppe, die östlich von Neumecklenburg gelegenen Inseln