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VIII. Die Staaten und Kolonien.
Niederlassungen, zunächst im November am Finschhafen, sodann im Dezember am Hatzfeldt- Hafen, und im Oktober erfolgte die Flaggenhissung auf den Marshall-Inseln.
Das Jahr 1886, reich an Forschungsexpeditionen und Bestrebungen zur Einrichtung der Verwaltung der neugegründeten Kolonien, vollendete die deutschen Besitzergreifungen in Melanesien. Nachdem im Februar und März die Eingeborenen voll Neupommern durch deutsche Seesoldaten wegen der Ermordung von Händlern gezüchtigt worden waren und die „Samoa" nochmals die Küste des Nordostens Neuguineas untersucht hatte, erfolgte am 6. April der Abschluß des deutsch-englischen Vertrags über die Abgrenzung der Interessensphären beider Mächte in der Südsee (s. die „Politische Übersichtskarte von Australien und Ozeanien" bei Seite 351). In demselben Monat landete die wissenschaftliche Expedition der Neuguinea-Kompanie unterSchrader, Schneider und Hollrung, im Mai wurde die Niederlassung Konstantinhafen begründet, im Juni langte der Landeshauptmann Freiherr von Schleinitz an. Zugleich erfolgte in Deutschland die konstituierende Versammlung der Neuguinea-Kompanie. Im Oktober hisste ein deutsches Kriegsschiff die deutsche Flagge auf den nordwestlichen Salomonen, und im Dezember wurde der kaiserliche Schutzbrief aus diese jüngsterworbene Kolonie ausgedehnt. Den weiteren Ausbau der Kolonien werden wir bei der Behandlung ihrer einzelnen Teile berühren.
Kaiser-Wilhelms-Land.
Durch die Verträge mit Großbritannien und den Niederlanden vom April 1886 und durch den kaiserlichen Schutzbrief vom 17. Mai 1885 sind der Neuguinea-Kompanie die Hoheitsrechte über das nordöstliche Neuguinea übertragen worden. Die Grenze dieses Gebietes verläuft im Westen auf dem 141. Meridian, wird im Osten durch den Mitra-Felsen unter 80 südl. Breite gebildet, im Süden durch eine Linie von diesem Punkt aus auf der mutmaßlichen Wasserscheide und dem Kamme der inneren Hochgebirge entlang bis zum Schnittpunkte von 6° südl. Breite mit 1440 östl. Länge und von hier bis zum Schnittpunkte von 5" südl. Breite und 141° östl. Länge. Dieses so abgegrenzte Gebiet, das den Namen Kaiser-Wilhelms-Land erhielt, ist auf ein Areal von 181,650 (Kni mit 110,000 Einwohnern geschätzt morden, so daß auf einem Territorium von mehr als der Hälfte Preußens nur eine Bevölkerung wie in Reuß jüngerer Linie sitzt und die Bevölkerungsdichtigkeit nur 0,6 auf dem Quadratkilometer beträgt. Deutsch- Nordost-Neuguiuea wurde zunächst von der Neuguinea-Kompanie, die einen Statthalter ernannte, seit 30. April 1889 aber vom Reiche selbst verwaltet, zunächst in dem Hauptorte Finschhafen, seit März 1891 in Stephansort und seit Juli 1891 in Friedrich-Wilhelms-Hafen. Im Juni 1892 ist sodann der frühere Zustand/ wonach die landeshoheitlichen Befugnisse durch einen von der Gesellschaft zu berufenden Landeshauptmann ausgeübt werden, wiederhergestellt worden.
Kaiser-Wilhelms-Land ist, wie wir oben (S. 32) gesehen haben, vorderhand nur an den Küsten bekannt, da nur wenige Vorstöße über diese hinaus unternommen worden sind: der eine den Kaiserin-Augusta-Fluß hinauf, der andere in das Finisterre-Gebirge, und keiner von beiden hat zur Errichtung von festen Ansiedelungen im Inneren geführt. Diese liegen sämtlich an der Küste zwischen dem Huon-Golfe und der Vulkan-Insel, und hier, an der Maclay-Küste und der Astrolabe-Bai drängt sich auch die eingeborene Bevölkerung zusammen, während das Innere arm an Menschen zu sein scheint. Miklucho Maclay rechnete für den nach ihm benannten 300 km langen und 37 Pn breiten Küstenstrich 2000 Einwohner, 1,6 auf das Quadratkilometer, mährend in den Berglandschaften des Inneren die Bevölkerung spärlicher ist: Zöller fand das höhere Gebirge von 1000 m Höhe an unbewohnt. Ein zweites Zentrum der Bevölkerung bildet die Niederung des Kaiserin-Augusta-Fluffes, wo die Forschungsexpedition Schrader's auf 2 V 2