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[Bd. 5] (1895) Australien und Ozeanien : eine allgemeine Landeskunde / von Wilhelm Sievers
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Britisch-Neuguinea. Holländisch-Neuguinea.

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Nahrungsmittel, Tabak, Tuche, Eisemvareu, Baumaterial, Getränke teil, die naturgemäß fast ausschließlich aus Australien kamen, zunächst aus dem nächstgelegenen australischen Hafen Cook- town, der in Verbindung mit Port Moresby steht, teils auch aus Neusüdwales.

Grauville, der Hauptort der Kolouie (s. Abbildung, S. 426), besteht aus einer Anzahl von Holzhäusern mit Veranden auf einen: Hügel oberhalb des Pfahldorfes der Eingeborenen und hat Kirche, Schule, Seminar und Missionsstationen. Im übrigen gibt es keine europäische!: Niederlassungei:, außer den Missionsstationen der Londoner, der wesleyanischen, der anglikani­schen Gesellschaften sowie der katholischen Gesellschaft von: heiligen Herzei: Jesu.

2. Koü'ändisch -Wcuguinecr.

Die Holläuder haben von den Malayischen Inseln aus sich zu Anfang des 19. Jahr­hunderts auf der Westseite von Neuguinea festgesetzt und seit 1826 durch Kolff, Steenboom, Kool, de la Riviere, van der Goes und Rosenberg diese Gebiete bereisen lassen. Eine Grenze ihres Gebietes nach den: Inneren, die lange Zeit nicht nötig gewesen war, wurde erst 1885 durch die Übereinkunft zwischen Deutschland, England und Holland festgelegt; sie verläuft unter den: 141. Meridian quer über die Insel, so daß der ganze Westen, 382,142 gkm, fast die Hälfte ihres Gesamtareals, Holland zufiel. Mit den Nebeninseln und der Aru-Gruppe hat das holländische Gebiet ein Areal von 404,754 gkm und eine Bevölkerung von 238,000 Einwohnern, wovon 25,000 auf die Aru-Jnseln entfalle!:. Hier beträgt also die Bevölkerungsdichtigkeit 3 auf das Quadratkilometer, auf den: Festlande 0,6, so daß die Bevölkerung recht gering ist.

Von politischen Verhältnissen kann nur aus der westlichen Halbinsel die Rede sein, da über den Osten von der Geelvink-Bai an überhaupt fast noch gar keine genauen Untersuchungen vorliege!:. Hier, wie auch sonst in Neuguinea, liegt eine Anzahl von Küstendörsern in Fehde mit de:: Bewohnern des Inneren: ein überhaupt auf Neuguinea fast überall stattfindender Gegensatz. Westlich des Halses von Neuguinea wird dagegen der Sultan von Tidore als der Herr des Lan­des von den Holländern angesehen und hat deren Ermächtigung, Statthalter, Fürstei: (Radscha) und Häuptlinge einzusetzen. Auf diese Art ist eine Reihe von kleiner: Staaten in: Hinterlande der Westküste entstanden: wie Kopia und Koway, das jetzt in Aiduma, Namatoto und Adi zer­falle:: ist; der Rest der Landschaft Worum steht unter kleiner: Häuptlingen, und auch die vor­liegenden Inseln haben ihre eigener: Häuptlinge. Diese politische Organisation steht schor: etwas höher als die gänzlich lockerer: Dorfeinheiter: in: übriger: Neuguinea und läßt bereits malayischen Einfluß erkennen, wie denn überhaupt viele Inseln, z. B. die der Geelvink-Bai, unter eigener: kleiner: Häuptlinge:: stehen, die sämtlich vor: der holländischen Regierung den: Sultan von Tidore unterstellt sind. Diese Häuptlinge zogen vor: dem Volke der: Tribut ein, lieferten ihr: nach Tidore ab und verübten, indem sie den Handel zu monopolisieren bestrebt waren, zahlreiche Plünderungen nnd Erpressungen an der Bevölkerung. Seit 1885 ist aber das Recht des Sul­tans zur Tributerhebung aufgehoben.

Der Handel ist nicht unbedeutend, lebhaft namentlich nach der: Molukken und Philippinen, wohin Papua-Muskatnüsse ir: größerer: Mengen (ir: den siebziger Jahren jährlich etwa 3000 Picol zu 125 Pfund, in: Werte vor: 170,000 Mark) gehen; dieses Ausfuhrprodukt übertrifft die gesamte übrige Ausfuhr ir: Schildpatt, Massoi-Rinde, Perlmutter, Paradiesvögeln, Tripang an Wert. An: häufigster: ist die Muskatnuß ar: der Südseite des MacCluer-Golfes. Auch die Sagopalme wird allgemein angebaut, dennoch aber Sago vor: Sera:: bezogen.

Ortschaften vor: Bedeutung fehlen in Holländisch-Neuguinea; 1828 gründete die hollän­dische Regierung Fort Dubus, eine Niederlassung ir: Merkusoordt ar: der Triton-Bai, zog sie