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[Bd. 5] (1895) Australien und Ozeanien : eine allgemeine Landeskunde / von Wilhelm Sievers
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Die britischen Besitzungen in Mikronesien und Melanesien.

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Zustände zu herrschen, obgleich hier die Häuptlinge große Achtung genießen. Im Jahre 1886 be­reits durch das deutsch-britische Südsee-Abkommen der britischen Interessensphäre überlassen, wurden die Gilbert-Inseln doch erst 1892 von den Engländern wirklich in Besitz genommen. In Handel und Verkehr stehen sie im Anfang der Entwickelung, politisch aber ermangeln sie einer festen Organisation noch völlig.

I'. Die britischen Besitzungen in Melanesien.

Die Besitzungen Großbritanniens in Melanesien bestehen seit 1886 aus den Fidschi- Inseln, die 1874 britische Kolonie wurden, den: britischer: Teil von Neuguinea, der 1884 unter­kritischen Schutz gestellt, 1888 Kronkolonie wurde, und den südlichen Salomonen, die 1886 der britischer: Interessensphäre überlassen wurden, aber noch keine eigentliche Verwaltung Haber:.

gkin Einwohner Volksdichte

Fidschi-Inseln mit Rotuma.20,837 125,400 6

Südliche Salomonen. 21,645 87,000 4

Britisch-Neuguinea. 229,102 350,000 1,5

zusammen: 271,584 662,400 2

Diese drei Besitzungen zusammen beherberge:: also auf einem Flächenraum, der fast so groß ist wie der Neuseelands, doch etwa 100,000 Bewohner weniger als diese Doppelinsel.

n) Rotuma und die Fidschi-Inseln.

Eine besondere Stellung nimmt Rotuma insofern ein, als es zu Polynesien zu rechnen ist, von Polynesien: bewohnt wird, aber der melanesischen Gruppe der Fidschi-Inseln politisch seit 1869 zugeteilt ist, nachdem religiöse Spaltungen der Konfessionen auf der Insel zu Unruhen und Zrvistigkeiten geführt hatten. Die Insel hat 36 ginn Areal und 2500 Einwohner, die Volks­dichte beträgt somit etwa 70 auf das Quadratkilometer, und trotz der üppiger: Vegetation tritt zuweilen Mangel an Lebensrnitteln ein, wodurch manche Roturnaner zur Ansiedelung irr: Norden von Vanua Levu veranlaßt worden sind. Schor: seit 1839 wurde Rotuma vor: britischer: Missio­naren der Londoner Missionsgesellschaft in Angriff genommen, 1845 aber tonganischen Lehrern der wesleyanischen Missionsgesellschaft überlassen; dieser: gesellten sich 1846 katholische Geistliche zu, was heftige religiöse Wirrer: und blutige Kämpfe auf der Jrffel zur Folge hatte.

Unter Abzug vor: Rotuma Haber: die Fidschi-Inseln 20,801 girrn und 122,900 Ein­wohner, formt eine Volksdichte vor: 6 auf das Quadratkilometer. Die Größe der Inselgruppe übertrifft um ein geringes die des Königreichs Württemberg; die Volkszahl kommt der der Stadt Stuttgart nahe. Die Bevölkerungsziffer geht langsam zurück und zwar nicht nur die der Ein­geborenen, sondern auch die der Europäer. Vor: 188588 fiel jene vor: 123,844 aus 121,800, die der Europäer aber vor: 3435 auf 1900, also nahezu auf die Hälfte. Außer den eigentlichen Fidschianern mit 111,000 Köpfen gab es 1889 noch 2350 fremde Polynesier und 6311 Inder, die mehr und mehr ihrer billigeren Arbeitskraft weger: der: Polynesien: vorgezogen werden.

Die Fidschi-Inseln hatten unter allen Südsee-Jnseln wegen des argen Kannibalismus ihrer Bewohner fast der: schlechtester: Ruf, boten aber dennoch schor: zu Anfang des Jahrhunderts günstigen Boder: für der: Handel weger: ihres bedeutenden Reichtums ar: Sandelholz, das leider nach und nach fast ganz ausgerottet worden ist. Während irr: allgemeinen alle Schiffbrüchigen vor: der: Bewohnern der Fidschi-Insel:: verzehrt wurden, gelang es 1808 der Mannschaft des SchiffesEliza", infolge guter Bewaffnung, diesen: Schicksal zu eutgehen und mit ihrer: Ge­wehren dem Häuptling vor: Mbau die Herrschaft über die Inselgruppe zu sichern. Doch gab es