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VIII. Die Staaten und Kolonien.
Die Tokelau-Jnseln, die von dem Häuptling von Fakaafo beherrscht werden, sind Korallenriffe, erzeugen vorwiegend Kopra, Kokosöl und Produkte der See. Die Phönix-Inseln liefern dagegen „Guano", also Phosphorsauren Kalk, wie Malden und die übrigen. Zunächst wurden sie von zwei amerikanischen Gesellschaften, der United States Guano Company und der Phönix Guano Company in Honolulu, ausgebeutet, und zwar vor allem die Inseln Baker, Howland, McKean und Birnie; später nahmen Engländer die Guanolager auf Enderbnry in Besitz und führten die Erklärung der britischen Schutzherrschast herbei. Ein anderes Produkt bieten die kleinen, nur spärlich bewohnten Inseln nicht.
Viel fruchtbarer und daher schon von mikronesischer Volksdichte sind die noch zu Polynesien gerechneten Ellice- oder Lagunen-Jnseln, mit 2500 Einwohnern auf dem geringen Areal von 37 gkm, somit einer Volksdichte von 68, die sogar noch gesteigert werden könnte. Das hauptsächliche Erzeugnis ist Kopra, deren Gewinnung noch mit so wenig Nachdruck betrieben wird, daß der größere Teil der Kokosnüsse verfault. Die meisten Inseln haben 200—450 Einwohner. Die Bewohner sind aus Samoa eingewandert, durch protestantische Missionare christianisiert und bauen vorwiegend Kokospalmen, von denen jährlich 50 Tonnen Kopra gewonnen werden, und Arum, Bananen, Brotfruchtbäume. Auf den höheren Teilen der Inseln werden 6—8 Fuß tiefe Gräben gegraben, in denen sich das Wasser sammelt und Landbau betrieben wird. Außerdem wird gefischt und gehandelt. Die Dörfer sind meist sauber, von Zisternen zur Sammlung des Regenwassers umgeben, in Kokoswäldern versteckt und auf den nördlichen Inseln großenteils aus zweistöckigen Häusern zusammengesetzt. An Industrie pflegen die Einwohner Mattenflechterei und Anfertigung von Kokosfaserstricken, während der Schiffbau keine hohe Stufe erreicht hat.
L. Die britischen Besitzungen in Mikronesien.
Der Besitz Englands in Mikronesien beschränkt sich auf die Gruppe der Gilbert-Inseln, übertrifft aber an Einwohnerzahl bei weitem den in Polynesien, da die Gilbert-Inseln außerordentlich dicht bevölkert sind. Die 430 gkm großen Gilbert-Jnseln ernähren 35,200 Einwohner, haben also mit 82 Einwohnern auf dem Quadratkilometer eine noch größere Bevölkerungsdichtigkeit als die Ellice-Gruppe; Tapiteuea bewohnen z. B. 5000—6000 Menschen, d. h. 200—240 auf dem Quadratkilometer. Die Einwohner sind aus Mikronesiern und Poly- nesiern gemischt, die teils aus Samoa, teils aus Ponape eingewandert sind; doch unterliegen die von Samoa gekommenen den eigentlichen Mikronesiern. Jene brachten den Brotfruchtbaum auf die Inselgruppe, der neben Kokospalmen, Pandanus und Tarä die meiste Nahrung liefert; doch sind infolge der häufigen Dürren Hungersnöte so wenig selten, daß die Gilbert- Jnsulaner oft ihre Heimat verlassen, um in Australien und auf den übrigen Südsee-Jnseln Dienste zu nehmen. Seit 1852 versuchten Missionare von Hawaii die Gilbert-Insulaner zu christianisieren; doch gelang es erst 1880, ihnen die Menschenfresserei auszutreiben und sieben Gemeinden auf den kleineren Inseln zu bilden.
Zur Kultur des Tarö wird der Boden bis auf den Korallenfels ausgegraben, in den Gräben Regenwasser gesammelt und mühsam eine Humusdecke hergestellt. Von Haustieren gibt es nur Hühner, dagegen wird Fischerei mit Erfolg betrieben. Die Geräte sind dürftig, doch sind namentlich die Frauen geschickt im Anfertigen von Matten, die Männer in solchen: von Stricken und Schnüren. Die politischen Verhältnisse sind in der Auflösung; drei Stände, Häuptlinge, freie Grundbesitzer und Genuine, treten zu derartigen Genossenschaften zusammen. Sklaven gibt es daneben auch. Die Macht der Häuptlinge ist sehr gering, wenngleich einer unter ihnen auf jeder Insel als Oberhäuptling gilt; auf den südlichen Inseln scheinen völlig demokratische