Empfänglichkeit der einzelnen Rassen, soweit sie überhaupt bestehen mögen, praktisch zurücktreten gegen die Einflüsse, welche schlechte Wohnung, zusammengedrängtes Leben, schutzlose Aussetzung gegen die Gefahr der Ansteckung, mangelnde Reinlichkeit und schlechte Ernährung ausüben — Dinge, die auch schon in den älteren Berichten der europäischen Resten gewürdigt werden.
Allgemeine Prophylaxe.
Die Maßregeln zur Verhütung und Bekämpfung einer Pestepidemie beginnen mit den Einrichtungen, welche eine Einschleppung der Krankheit verhindern sollen. Derartige Bemühungen wurden gegen Ende des 13. Jahrhunderts in ein System gebracht und man schuf die Einrichtung der Quarantänen. Im wesentlichen bestanden diese darin, daß Schifte, die aus Pestgegenden kamen, eine gewisse Zeit im Hafen ohne Verkehr mit dem Lande zu liegen hatten; anfangs waren es 40 Tage, daher der Name. Bei der Landung wurden dann meist noch Menschen und Waren Räucherungen und anderen Desinfektionsversuchen unterworfen. Die Quarantänen werden auch auf andere Infektionskrankheiten, Pest und gelbes Fieber, ausgedehnt. Die lange Zeit ganz mittelalterlich gebliebenen Bestimmungen wurden allmählich der modernen Wissenschaft angepaßt. In der heutigen Durchführung der Quarantänen werden Waren und Reisende aus Pestgegenden, sobald sich auf dem Schifte, wenn es vor mehr als 10 Tagen den Pesthafen verlassen hat, unterwegs keine Pesterkrankungen ereignet haben, ohne Desinfektion und Aufenthalt freigegeben.
Ist eine Einschleppung der Pest erfolgt, so ist die frühe und bestimmte
Diagnose
des ersten oder der ersten Fälle natürgemäß von der allergrößten Wichtigkeit.
Die klinische Diaguose Pest erhält immer erst durch die bakteriologische Bestätigung ihre volle Sicherheit. Ist aber einmal die Pestepidemie zweifellos, dann reicht in den einzelnen Fällen die klinische Diagnose aus, und man wird in der Praxis auch nicht darüber hinauskommen. Dagegen ist zur Feststellung der ersten Fälle die bakteriologische Diagnose unerläßlich.
Pestbazillenhaltiges Material wird man sich vom Pestkranken zunächst durch die Blutuntersuchung zu verschaffen suchen. Erfolg wird man aber nur in Fällen haben, wo die Allgemeininfektion bereits eingetreten ist, oder in foudroyanten Fällen. Bei letzteren ist sie wegen der meist fehlenden Bubonen besonders wertvoll. Aus dem Blute wird mau den Pestbazillus gewöhnlich nur durch die Kultur gewinnen, nur bei Überschwemmung des Blutes mit Pestbazillen erscheinen sie auch im mikroskopischen Bilde. Ist schon ein Bubo vorhanden, so kann man durch dessen Punktion Pestbazillen erhalten, und zwar bei frischen Bubonen mit größerer Wahrscheinlichkeit. Bei Karbunkeln kann man auf deren Oberfläche, oder durch Punktion des tieferen Gewebes Pestbazillen finden. Auch die Punktion des frischen Ödems in der Umgebung bietet Aussicht auf Erfolg.
Im Sputum der primären Pestpneumonie lassen sich die Pestbazillen schon mikroskopisch mit ziemlicher Sicherheit erkennen. Bestätigung gibt die Kultur und der Tierversuch. Auch bei Beulenpesterkrankungen können im Sputum Pestbazillen gefunden werden. Ehe Pestbazillen in Urin und Sputum erscheinen und nachgewiesen werden, ist die Diagnose wohl immer schon auf anderem Wege gefestigt.
Die Diagnose aus dem Deckglaspräparat allein kann mit ziemlicher Sicherheit gemacht werden, v T enn die Pestbazillen in ihren typischen, bipolar sich färbenden und als