Die Pest.
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axillarer Bubo, geheilt entlassen, am 19. Tage Halsbubo, Tod) (Deutsche Pestkommission). Daraus ergeben sich wichtige Folgen für die Überwachung der Pestrekonvaleszenten.
Die Möglichkeit einer mehrmaligen Erkrankung ist nach älteren Angaben und Beobachtungen der letzten Epidemie, wenn auch selten, so doch zweifellos beobachtet worden.
Prognose.
Die primäre Pestpneumonie gibt mit größter Wahrscheinlichkeit in allen Fällen eine letale Prognose. Daher ist die primäre Pestpneumonie in der Besprechung der Prognose bei Pest im allgemeinen von vornherein abzusondern.
Die Prognose bei Pest wird in erster Linie durch den Grad der Herzschwäche bestimmt. Pulszahlen von 140—150 sind immer ein schlechtes Zeichen. Dagegen kann man aus anfangs niederen Zahlen noch nichts Günstiges erschließen. Bleiben aber die Pulszahlen trotz schwerer Symptome innerhalb mäßiger Grenzen (120—130), so ist dies ein gutes Zeichen.
Das Fieber bestimmt die Prognose erst in zweiter Linie. Gleich von Anfang hohe Temperaturen dürfen nicht als etwas Schlechtes gedeutet werden; nur abnorme Grade, z. B. 41°, sind jedenfalls sehr bedenklich. Aus den Fieberremissionen kann man nichts erschließen.
Pestbazillen im Blute geben eine letale Prognose nur dann, wenn sie mehrere Tage hinter einander nachgewieseu werden. Sekundäre Infektionen sind immer eine höchst ungünstige Komplikation.
Starke Infiltration und Odem in der Umgebung des Bubo sind noch nicht ungünstig. Die Vereiterung des Bubo ist insofern als günstig aufzufassen, als der Kranke die schwerste Zeit überstanden hat, ehe es zur Vereiterung kommt. Sekundäre Bubonen sind auch bei Fällen, die in Heilung ausgehen, häufig beobachtet. Der primäre Halsbubo ist in der größten Mehrzahl der Fälle letal. Das Auftreten von Karbunkeln ist im allgemeinen für die Bestimmung der Prognose nicht zu verwerten.
Dem Milztumor kommt keine prognostische Bedeutung zu. Metastasen des Pestbazillus in der Lunge verschlechtern die Prognose wesentlich. Ebenso scheint die sekundär durch den Pestbazillus hervorgerufene Meningitis immer tödlich zu enden.
Prophylaxe.
Individuelle Prophylaxe.
In den früheren Pestzeiten schloß man sich zum Schutze vor der Pest während der Dauer der Epidemie häufig ganz in sein Haus ein. Dies wurde namentlich in Ägypten und in der Levante so geübt. Jetzt, da man den Pesterreger keunt, und damit die Haupt-Iufektionsgelegenheiten, den kranken Menschen, seine Behausung und die pestempfänglichen Tiere (Ratten) kann man den Gelegenheiten zur Ansteckung meist aus dem Wege gehen und braucht sich nicht mehr so einschneidende Beschränkungen des Verkehrs aufzuerlegen.
Große Reinlichkeit und sorgsame Hautpflege werden sich zu Pestzeiten besonders empfehlen, da die Mehrzahl der Infektionen durch die Haut erfolgt.
Besonders wichtig für den individuellen Schutz sind noch die prophylaktischen S c h u t z i m p f unge n.
Diese können in der Einspritzung von Antipestserum bestehen, wodurch eine allerdings sofort eintretende jedoch nur kurzdauernde (1—2 Wochen) passive Immu-