Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1905)
Entstehung
Seite
420
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Dr. Rudolf Püch.

Der Pharynx ist meist dunkelrot verfärbt. Die Tonsillen sind in der Regel geschwellt, können auch diphtheritischen Belag tragen, oder in Geschwüre zerfallen.

Über spontane Schmerzen des Abdomens ist nichts bekannt, außer im Zusammenhänge mit inguinalen oder iliakalen Drüsen. Der Appetit ist ganz ver­schieden. Es gibt Appetitlosigkeit, selbst Ekel, andere Kranke haben Heißhunger. Der Durst ist erhöht. Erbrechen ist ein häufiges initiales Symptom; im Ver­laufe der Krankheit tritt es weniger hervor. Der Stuhl ist wechselnd. Im großen und ganzen scheint Verstopfung zu überwiegen.

D a r m p e s t.

Eine primäre Magendarminfektion,Darmpest wurde bisher nur von V ilm angenommen, das Material der folgenden Beobachter hat seine Auffassung bisher nicht gestützt. AVilm hatte seine Untersuchungen als einer der allerersten gemacht, als das klinische und anatomische Bild der Krankheit noch sehr lückenhaft bekannt war: das regelmäßige Vorhandensein eines primären Bubo war noch nicht fest­gestellt, ebensowenig die primäre Pestpneumonie. Es war daher leicht möglich, daß AVilm seinen Befunden eine andere Deutung gab, indem er aus den klinischen Symptomen des Erbrechens und der Diarrhöen, aus dem pathologisch-anatomischen Bilde der Hämorrhagien der Alagen- und Darmschleimhaut, aus der Schwellung der Follikel, der PEYEit'schen Plaques und der mesenterialen Drüsen, ohne weiteres darauf schloß, daß der Magendarmtraktus auch die Eingangspforte für den Pesterreger gewesen sein muß. Die Notwendigkeit dieser Annahme ergibt sich nicht aus den Befunden AVilm's, wenn auch seine Angaben über Zahl und Größe der geschwellten mesenterialen Drüsen und die Häufigkeit der Geschwüre im Darm etwas die späteren Befunde übertreflen.

Lebe r.

Eine Leber Vergrößerung geringen Grades läßt sich manchmal perkutorisch feststellen. Bei der pyämischen Form der Pest kommen Leberabszesse vor.

Milz.

Der Milztumor ist bei den meisten Kranken palpatorisch nachweisbar, und zwar öfters schon am ersten Tage. Er ist manchmal bedeutend und überragt den Rippenbogen um drei Querfiuger.

P e r i t o n e u m.

Es kommen bei iliakalen und lumbalen Drüsenschwellungen peritoneale Reiz­erscheinungen vor.

Harn- und Geschlechtsorgane.

Die Harn mengen sind in der Regel groß, das spezifische Gewicht gering, die Reaktion sauer. Eiweiß ist wolil stets vorhanden, und zwar Serum- und Nukleo­albumin, jedoch in kleinen Mengen, mitEsbach kaum nachweisbar. Die Chloride sind in der Regel stark vermindert, Zucker ist nicht vorhanden, Blut bisweilen in kleinen Mengen (von den häufigen Hämorrhagien in den Schleimhäuten der Harn­wege herrührend).

An den Genitalien finden sich außer der Ödeme, welche von den Leisten­schenkeldrüsen herübergreifen, keine Abänderung. Die Schwangerschaft wird durch eine Pesterkrankung wohl immer vorzeitig unterbrochen.