Die Pest.
419
gelbrot oder dunkelrot, oft scheinbar wie aus reinem Blute bestehend. Diese, einer Hämoptoe ähnliche Form ist nach den alten Schilderungen auch für den schwarzen Tod charakteristisch gewesen. In manchen Fällen wird das Sputum in festen Ballen heraufbefördert, der Husten ist dann manchmal angestrengt und spärlich. Typisch ist das Fehlen von Fibringerinnseln — sonst kann das Sputum dem bei croupöser Pneumonie ganz gleichen.
Die Atmungsfrequenz ist ganz beträchtlich erhöht — 50 Atemzüge und darüber sind die Regel, es wurden ganz enorme Steigerungen — bis zu 75 — beobachtet (s. S. 410—411 Fieber-, Puls- und Atmungskurven). Dementsprechend ist die Cyanose meist bedeutend. Die Beschaffenheit der Dämpfung ist durch die Zahl und das Zusammenfließen der einzelnen lobulären pneumonischen Herde bestimmt; sie ist bald gering und schwer abzugrenzen, bald intensiv. Tympanitischer Beiklang ist häufig. Das Atmungsgeräusch hört sich über dem Herde verschärft, bis scharf bronchial an, daneben hört man Pfeifen und Schnurren, klanglose oder klingende Rasselgeräusche, oder Knisterrasseln, mitunter auch pleurale Reibegeräusche.
Ein großer, akuter Milztumor ist regelmäßig vorhanden.
Das Bewußtsein fehlt häufig. Fluchtversuche, namentlich gegen das Ende, sind nicht selten. In anderen Fällen ist das Bewußtsein lange Zeit klar, der Gesichtsausdruck ist dann stets sehr ängstlich und unruhig.
Die Dauer der primären Pestpneumonie ist meist kurz; aus der Zeit des schwarzen Todes werden zwei Tage angegeben, während der jetzigen indischen Epidemie endeten schwere Fälle in der Regel am dritten Tage letal; es wurde aber auch beobachtet, daß der Tod erst später, vom 6. bis zum 15. Tage eintrat. Heilung scheint äußerst selten zu sein.
Bei der primären Pestpneumonie kann es auch sekundär zur Entwicklung von Bubonen kommen.
Sekundäre Pneumonien bei Pest.
Häufig gibt es bei Pest kleine katarrhalisch-pneumonische Herde, die aber meist erst bei der Sektion aufgedeckt werden, weil sie nur zu leicht der Untersuchung entgehen und auch das Verhalten des Sputums und der Fieberkurve keinen Verdacht erregten. Manchmal aber ist das Sputum rostfarben und der physikalische Nachweis (bei größeren Herden) zweifellos. Die sekundären Pneumonien bei Pest verschlechtern die Prognose.
Häufig sind ferner Aspirationspneumonien bei Tonsillarveränderung und hypostatische Pneumonien sub finem.
Sehr oft, namentlich anfangs, beobachtet man bei Pestkranken Husten auf Grundlage einer unkomplizierten Bronchitis.
Pyämische Herde in der Lunge bei der pyämischen Form
der Pest.
Bei dem Triestiner Fall, der wochenlang krank war und lange nur die Symptome eines einfachen Bronchialkatarrhs gezeigt hatte, wurden durch die Sektion Abszesse in Lunge, Leber und Milz mit pestbazillenreichem Inhalt aufgedeckt. Dieser Fall ist der pyämischen Form der Pest im Tierversuche ganz analog.
Verdauungstraktus.
Die Zunge ist anfangs dick weiß belegt, nach einigen Tagen reinigen sich Spitze, Ränder und ein mittlerer Streifen, die Papillen der Spitze und der Ränder sind gerötet und geschwellt. Manchmal unterscheidet sich die Zunge bei Pest infolge der Risse und Sprünge des Belags in nichts von der tj-pliüsen.
27 *