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Dr. Rudolf Pöch.
bar, was aber durchaus nicht gegen eine pestige Infiltration der einen oder anderen Drüsengruppe spricht (vgl. Absc.hn. Pestfälle „ohne Bubonen“). Die Deutsche Kommission trennt diese Fälle als eine Form der Pest, „Hautpest“, ab.
Nervensystem und Sinnesorgane.
Die gewöhnlichsten und häufigsten Störungen von seiten des Nervensystems sind Kopfschmerz und Schwindel. Der Schwindel ist oft so stark, daß die Kranken wie schwer Betrunkene taumeln, oft nach wenigen Schritten niederstürzen. Der eigentümlich schwankende, für die Pest sehr charakteristische Gang hängt offenbar mit diesem Schwindelgefühl zusammen.
Das Sensorium verhält sicli sehr wechselnd. In einigen Fällen ist es bis zum Ende klar, in anderen getrübt. Die Delirien sind bald heiterer, bald ängstlicher, bald stiller, bald lauter Natur, bisweilen steigern sie sich zu förmlichen Tobsuchtsanfällen. Häufig und typisch sind Delirien, die zu Fluchtversuchen führen.
Ton motorischen Reiz erschein ungen gibt es klonische Zuckungen, tonische Krämpfe, Subsultus tendinum, ferner allerlei Bewegungen, mehr mit dem Charakter des Willkürlichen, scheinbar unter dem Eindrücke der Halluzinationen. Nackensteifigkeit ist nicht selten.
Diagnostisch wichtig ist eine fast regelmäßig vorhandene anarthrische Sprachstörung, die typische, schwerfällige, lallende Sprache der Pestkranken.
Eine sekundäre Pestmeningitis wurde schon wiederholt beobachtet. Sie kann sehr leicht der klinischen Diagnose entgehen, da Kopfschmerz, Schwindel,. Störungen des Sensoriums, Zuckungen, Haschen und Greifen mit den Händen auch sonst bei Pest beobachtet werden.
Als Nachkrankheiten des Nervensystems wurden Apathie mit geistiger Schwäche, ferner Gaumenlähmungen, Rekurrenslähmungen, Aphonien, Aphasien, Paraplegien und inkomplete Hemiplegien (Sticker) beobachtet.
Gehörorgan.
Sticker beobachtete in einem Fall Taubheit (zentraler Lokalisation).
Auge.
Regelmäßig ist eine akute Conjunctivitis der Conjunctiva des Bulbus und der Lider. Keratitis, Iridocyclitis und Ilypopyonbildung wurden als Komplikationen gesehen.
Lungen.
Primäre Pestpneumonie.
Die primäre Pestpneumonie ist eine Form der Pest, bei welcher die Lunge,, dem primären Bubo analog, der erste Sitz der Infektion ist.
Sie setzt in der Regel mit einem Schüttelfröste ein, dem Kopfschmerz, Schwindel und Erbrechen folgen können. Wie bei der Bubonenpest beobachtet man meist Conjunctivitis, häufig auch lallende Sprache. Herpes scheint im Gegensätze zur kroupösen Pneumonie immer zu fehlen.
Husten tritt oft früh, schon am 2. Krankheitstage auf, es können jedoch auch bis dahin mehrere Tage vergehen. Pleuritische Schmerzen können zur selben Zeit da sein. Der vollständig entwickelte Husten ist sehr charakteristisch. Die Ilusten- anfälle sind häufig und bestehen aus kurzen, meist rasselnden Stößen, welche scheinbar mühelos viel Sputum heraufbefördern. Der Auswurf ist reichlich, schaumig.