Haut.
Schweiße.
Die kritischen Schweißausbrüche, von denen die älteren Autoren berichten, wurden in der letzten Pestepidemie nicht beobachtet, auch nicht der vielerwähnte Gestank der Pestschweiße. Die Haut ist in der Kegel heiß und trocken, ausnahmsweise etwas turgeszent, stärkere Schweiße wurden nur bei cervikalen Bubonen kurz vor dem Erstickungstode gesehen.
Hämorrhagien.
Hautblutungen sind ein gewöhnlicher Befund, ihre Zahl und Ausdehnung wechselt sehr, ln solcher Ausbreitung, wie in den Schilderungen vom „schwarzen Tode“ berichtet wird, sah man sie bisher nicht. Um Insektenstiche entsteht oft ein hämorrhagischer Hof. Besonders zahlreiche, bis 1 2 cm im Durchmesser haltende Hautblutungen, namentlich an Vorderarmen und Händen, wurden in zwei Fällen von Gottschlich gesehen.
Exanthem e.
Die Angaben über Roseolen auf Bauch und Brust sind sehr spärlich und unsicher. Dagegen wurden kleine linsen- bis erbsengroße Pusteln mit infiltrierter, geröteter Umgebung, deren Eiter Pestbazillen enthielt, in Oporto und Alexandrien je einmal gesehen. Multiple Abszeßbildungen und Gangrän nach Karbunkeln beschreibt die deutsche Pestkommission.
L y m p h a n g i 0 i t i s.
Eine primäre, den AYeg nach der Eingangspforte weisende Lymphangioitis scheint nicht vorzukommen. Dagegen ist sie bisweilen bei Pestblasen, Karbunkeln und sekundär über Bubonen gesehen worden.
K a r b u n k e 1.
Der Pestkarbunkel erscheint als ein scheibenförmiges, blaurot gefärbtes Haut- infiltrat, in dessen Mitte die Epidermis abgehoben ist, und sich ein schwärzlicher Schorf gebildet hat. Die Umgebung ist üdematüs. Die Größe ist verschieden, scheinbar durch den Sitz des Karbunkels bestimmt. An den Extremitäten sind sie meist nicht mehr als talergroß, am Stamme kann man sie in Handtellergroße beobachten. Oft sitzen die Karbunkel unmittelbar über Bubonen. Nicht selten ist eine Lymphangioitis, vom Karbunkel ausgehend. Die sekundäre Entstehung von Karbunkeln, auch in der Nähe primärer Bubonen, ist wiederholt beobachtet worden.
Bei gleichzeitig vorhandenem Bubo und Karbunkel muß man daher vorsichtig sein in der Deutung. Es ist von vornherein im allgemeinen nicht wahrscheinlich, daß ein solcher Karbunkel früher dagewesen ist, als der Bubo, oder gar, daß er die Eingangspforte des Pesterregers ist, da diese ja fast immer ganz reaktionslos bleibt. Sekundäre Karbunkel können in jedem Stadium der Krankheit auf treten.
In seltenen Fällen bildet sich an der Eintrittspforte des Pestvirus eine Blase, Pestblase, primäre Pestpustel. Aoya.ma und Sticker, die sich beide bei Sektionen infizierten, bemerkten zuerst ein Bläschen an der Hand, von dem aus sich eine Lymphangioitis den Arm entlang entwickelte, dann erst bildete sich der axillare Bubo.
Die Deutsche Kommission beobachtete eine Reihe leichter Pestfälle mit Karbunkeln oder einer primären Pestpustel. Bubonen waren nicht immer naehweis-
Mense, Handbuch der Tropenkrankheiten. II. 27