Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1905)
Entstehung
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408
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Dr. Rudolf Pöch.

Diplokokken, Streptokokken und Influenzabazillen auf, auch zu bestellender Lungen­tuberkulose kann eine Pestpneumonie hinzutreten.

Von den sekundären, durch den Pestbazillus erregten Pneumonien sind die Aspirationspneumonien bei Pest zu trennen, die namentlich bei diphtheritisch nekrotischen Entzündungen der Tonsillen auftreten.

Verdauungsorgane.

Veränderungen am Eingänge des Yerdauungstraktus, Schwellung und Rötung der Schleimhäute des Mundes, des Gaumens und Rachens sind bei allen Formen der Pest häufig.

Die Tonsillen sind oft frisch entzündet. Häufig zeigen sie dieselbe Infiltra­tion und auf dem Durchschnitte dieselbe rotgelbe Sprenkelung wie ein frischer Bubo. Es kann aber auch die Schleimhaut nekrotisch werden und die ganze Tonsille schließlich ein Geschwür bilden. Oft sind die Tonsillen die Eingangspforte für den Pestbazillus und geben einem großen Halsbubo Anlaß zur Entstehung, oft sind sie auch metastatisch infiziert. Eine wichtige Rolle spielen die Tonsillen als Ausgangs­ort für die Mischinfektion (Diplo- und Streptokokken) bei Pest.

Ebenso wie die Tonsillen sind häufig auch die Lymphfollikel am Zungen­grund und an der hinteren Pharynx wand geschwellt, auch auf der Epi- glottis es kann überall dort zur Geschwürsbildung kommen.

Die M ag e n s c h 1 e i m h a u t zeigt fast immer kleine Blutungen , bisweilen hämorrhagische Erosionen, denen jedoch, da die Lymphdriisen des Mesogastriums nie schwere Veränderungen zeigen, keine Bedeutung zukommt.

Im Dünndarm sind die Blutungen seltener, die Plaques sind vergrößert und geschwellt. Die mesenterialen Lymphdriisen sind geschwellt, bisweilen sehr bazillenreich. Im Dick darin sind die Blutungen dichter, ähnlich wie auf der Magen schleimhau t.

Erwähnenswert ist ein einzelner Fall (Albiiecht und Goiin). Bei der Sektion eines am G. Tage an primärer Pestpneumonie Verstorbenen fand sich im unteren Ileum ein frisches Geschwür, drei haselnußgroße mesenteriale Lymphdriisen zeigten Odem, Hämorrhagien und massenhafte Pestbazillen. Die Deutung einer sekundären Darminfektion als Folge des Yerschluckens von pestbazillenhaltigem Sputum ist naheliegend.

Dafür, daß in irgend einem Falle menschlicher Pest der Darm die primäre Eingangspforte für den Pestbazillus sein kann, liegen nach den Sektionsprotokollen aus der Pest in Bombay und den späteren Ausbrüchen keine Anhaltspunkte vor. Niemals findet man unter den mesenterialen Drüsen solche, welche die Charaktere des primären Bubo zeigen, vielmehr immer neben den Veränderungen im Darm einen typischen primären Bubo anderswo oder eine primäre Pestpneumonie.

Die Leber zeigt immer die Zeichen parenchymatöser oder fettiger Degene­ration. Bisweilen kommen kleine (12 cm im Durchmesser große) metastatische Herde in der Leber vor. Bei der pyämischen Form (Triestiner Fall) wurden Abszesse in der Leber beobachtet.

Die Gallenblase zeigt häufig kleine, Pestbazillen enthaltende Blutungen.

Am Peritoneum kommen häufig Blutungen vor.

Harn- und Geschlechtsorgane.

Die Niere zeigt sehr deutlich trübe Schwellung und fettige Degeneration. Häufig findet man auffallende Glomerulusveränderungen. In der Nierenrinde gibt es nicht selten kleine metastatische Herde. Bisweilen kommt es zu Blutungen im Nierenbecken.