Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1905)
Entstehung
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Die Pest.

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welche Veränderungen zu sehen. Eine oberflächliche Lymphangioitis von der In­fektionsstelle zum primären Bubo ist höchst selten. Häufiger sind entzündete Lymphbalmen in der Nähe der Karbunkel.

Milz.

Bei akuten Pestfällen ist die Milz stets vergrößert. Ihre Konsistenz ist nie so weich wie es bei Typhus, Milzbrand, Strepto- und Diplokokkeninfektionen beob­achtet wird. Die Schnittfläche ist auffallend dunkelblutrot, und läßt eine sehr feine Granulierung erkennen. Die Follikel fallen weder durch besondere Größe oder durch Prominenz auf, sondern sind entweder gar nicht, oder nur als kleine graue Punkte mit dunkelrotem Hof sichtbar. In akuten Fällen sind Pestbazillen in der Milz immer nachweisbar. Bei Fällen mit sehr zahlreichen Pestbazillen finden sich zahlreiche mikroskopisch kleine nekrotische Herde.

Gefäfssystem.

Perikard und Epikard zeigen fast immer kleine Blutungen. Die Herzventrikel sind meist beide schlaff, der Herzmuskel ist deutlich degeneriert, grau oder graugelb. Eigenartig sind Blutungen in die Wandungen der Venen in der Umgebung des primären Bubo. So kann man bei einem primären inguinalen Bubo Blutungen in der Wand der unteren Hohlvene finden, hinaufreichend bis zum Zwerchfell.

Atmungsorgane.

Von den Veränderungen der oberen Luftwege beansprucht das Glottisödem besondere Beachtung. Es entsteht als Folge der ödematösen Durchtränkung, die von einem primären Ilalsbubo ausgeht, ferner bei diphtheritischen Exulcerationen der Tonsillen. Meist wird es in diesen Fällen zur unmittelbaren Todesursache.

Beide Blätter der Pleura sind häufig mit Ecchymosen besetzt.

Pneumonische Herde bei Pest sind entweder primär oder sekundär.

Die primäre Pestpneumonie ist das Resultat einer primären Lokalisation des Pestbazillus in der Lunge. Die Lunge spielt hier eine analoge Rolle wie der primäre Bubo bei den Bubonenfällen.

Es kann ein einzelner Lappen befallen sein, oder auch gleichzeitig mehrere. An der Schnittfläche der erkrankten Lungenpartie kann man die einzelnen Lobuli meist noch abgrenzen, so daß man sich von der Entstehung der Infiltration durch Zusammenfluß einzelner Lobuli überzeugen kann. Von der Schnittfläche läßt sich zäher Schleim abstreifen. Sie ist fein chagriniert und gelbrot gefärbt. Im mikro­skopischen Bilde fällt die enorme Bazillenmasse neben geringer Exudation auf. Die Septa der Alveolen sind verbreitert. Die bronclüalen Lymphdrüsen zeigen die für Bubonen typischen Veränderungen.

Ferner kommt es bei primären Bubonen zu sekundären pestpneumoni­schen Herden, die ebenso wie die sekundären Bubonen echte Pestmetastasen sind. Im Vergleiche zu ihnen sind jedoch die Lungenmetastasen (ebenso wie die kleinen sekundären Herde in Leber und Niere) verhältnismäßig selten: das Lymph­gefäßsystem mit seinem adenoiden Gewebe ist eben die Prädilektionsstelle des Pest­bazillus. *

Die sekundären pestpneumonischen Herde sind klein bis walnußgroß und von infarktähnlicher Form.

Bei pyämischer Pesterkrankung mit chronischem Verlauf (Triestiner Fall) kann es ebenso wie in Leber und Milz auch in der Lunge zu Pestabszessen kommen.

Es gibt auch pneumonische Mischinfektionen, neben dem Pestbazillus treten