der Höhe der Infektiosität, die infektiösen Ausscheidungen haften noch am Körper. — Daß Sektionen von Pestleichen ein gefahrvolles Unternehmen sind, haben die vielen, leider zum Teil auch tödlich verlaufenen Infektionen von Ärzten bewiesen.
Als infektiös sind ferner die Kleider und Effekten zu betrachten, mit denen Pestkranke in Berührung kamen. Der Pestbazillus verliert zwar durch Eintrocknen rasch seine Virulenz — aber an Kleider angeklebtes Sekret trocknet sehr langsam ein, sobald die Stücke zusammengelegt werden. Gottsciilicii konnte bei der Epidemie in Alexandrien deutlich die Entstehung von Pesterkrankungen durch infizierte Effekten nachweisen.
Schließlich ist auch die Behausung des Pestkranken eine Infektionsquelle, wegen des darin verbreiteten infektiösen Materials. Es ist ohne weiteres einzusehen, daß schlechte und ärmliche Wohnungen wegen des schlechten Luftzuges, des mangelnden Lichtes und der schwierigen Reinigung besondere Gefahr bringen werden. Dieser Umstand, sowie die bedeutende Erhöhung der Infektionsgelegenheit dui’ch enges Zusammenwohnen, erklären allein schon, warum die Pest vorwiegend eine Krankheit des Proletariates ist.
Epizootieen.
Rattenpest. Parallel zur menschlichen Pestepidemie verläuft bei gleichzeitiger Anwesenheit von Ratten meist eine Pestepizootie dieser Kager. Die epidemiologische Bedeutung dieser Tierseuche für die Pest unter den Menschen kann in der Einschleppung der Pest, ferner in der Verbreitung und schließlich in der Erhaltung des Pestkeimes liegen.
Besonders gefürchtet sind die Ratten wegen der Möglichkeit, daß sie auf Schiffen die Pest aus verseuchten Häfen in unverseuchte verschleppen. Es können schon kranke Tiere mit den Waren auf das Schiff kommen oder es können sich die Schiffsratten erst unterwegs durch verseuchte Waren, pestkranke Passagiere und dann weiter gegenseitig durch Flöhe oder durch Nasenschleim beim Fressen (Simoxd, Batzaiiof) sowie durch die Exkremente infizieren.
Borel kommt nach seinen langjährigen Beobachtungen in Djeddah und Umgebung zu dem Schlüsse, daß die Pest nach den heiligen Stätten der Muhammedaner in Mekka nicht durch Menschen, Reisegepäck und Waren eingeschleppt wurde, sondern ausschließlich durch Schiffsratten auf dem Seewege.
Ashbukton Thompson in Neusüdwales geht sogar soweit Infektion von Mensch zu Mensch ganz zu leugnen und nur Übertragung durch Ratten anzunehmen.
Die Rattenpest kann sich unterwegs verraten, da die erkrankten Tiere ihre Schlupfwinkel meist verlassen. Es ist aber bei der Weitläufigkeit und teilweisen Absperrung der Warenräume der Schiffe sehr leicht möglich, daß die bestehende Seuche unterwegs nicht bemerkt wird. Kommen die pestkranken Ratten oder die von ihnen infizierten Waren in die Magazine des unverseuchten Hafens, so ist die Gefahr vorhanden, daß hierdurch der ganze Rattenbestand dieses Hafenortes infiziert wird. Dieser eminenten und wegen ihrer schweren Kontrolle besonders unheimlichen Einschleppungsgefahr der Pest kann nur durch Vernichtung der Ratten an Bord, noch bevor die Ladung gelöscht ist, begegnet werden. Am besten eignet sich hierzu nach Nociit und Giemsa Kohlenoxydgas in Form des durch unvollkommene Verbrennung von Koks gewonnenen sog. Generatorgases, da es selbst in kleinen Mengen die Ratten rasch lähmt, sicher tötet, nicht riecht, explosionssicher ist, die Ladung absolut nicht schädigt und aus Koks sehr billig zu erzeugen ist. Die von den ebengenannten Autoren angegebene Anlage im Hamburger Hafen ist auf einem kleinen Schiffe untergebracht, das heranfährt und von dem aus mit Schläuchen das Gas in die verschiedenen Räume des Schiffes verteilt wird.
Mense, Handbuch der Tropenkrankheiten. II. 26