Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1905)
Entstehung
Seite
399
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große Mengen infektiösen Materials direkt mit der Schlundsonde in den Verdauungs- traktus gebracht wurden, kam es zu einer primären Darmpest, die PEYERschen Plaques waren geschwellt oder zu Geschwüren verändert, die mesenterialen Lymphdrüsen zeigten die Charaktere des primären Bubo.

Die Ratten zeigen ungefähr dieselbe Empfänglichkeit für den Pestbazillus wie die Meerschweinchen, nur bewähren sie sich bei der kutanen Infektion nicht so gut. Auch zeigen sie keine Neigung zu den erwähnten chronischen Formen. Die Hervorrufung einer primären Pestpneumonie durch Verstäubung gelingt gut (Kolle).

Kaninchen und Mäuse sind ebenfalls sehr empfänglich. Schakale und Hunde starben nach intraperitonealen Infektionen, reagierten aber nicht auf Verfütterung, obzwar virulente Pestbazillen noch im Stuhle nachweisbar waren. Dasselbe gilt von Schweinen, Hyänen und der indischen Ichneumonratte (Herpestes pallidus Cur.). Katzen sind empfänglicher als die eben erwähnten Tiere. Nach Verfütterung entwickelt sich oft ein Halsbubo, der lokal bleibt, oder zu einer auch tödlichen Allgemeininfektion führen kann. Affen sind für alle Arten der Infektion empfänglich, die verschiedenen Spezies zeigen graduelle Unterschiede. Fledermäuse sind ebenfalls sehr leicht zu infizieren 'Gosio).

Bei Pferden, Rindern, Schafen und Ziegen riefen Pestinjektionen nach den Versuchen der deutschen Kommission bloß Fieber und örtliche Reaktion hervor. Ähnlich verhalten sich Kamele. Vögel zeigen große Unempfänglichkeit, die Infektion gelang z. B. bei Tauben bloß durch intraperitoneale Infektion, bei Aasgeiern gar nicht. Flöhe können die Pestbazillen eine Zeitlang virulent in sich erhalten. Simond hat im Magen von Rattenflöhen Pestbazillen nachgewiesen und experimentell festgestellt, daß durch Flöhe kranker Ratten eine Infektion gesunder stattfinden kann. Ogata gelang es, eine Maus durch solche Flöhe zu infizieren.

Epidemiologie.

Eingangspforten.

Die häufigste Eingangspforte für den Pestbazillus ist die äußere Haut, und zwar müssen nicht Wunden oder äußerlich sichtbare Haut Verletzungen da sein, um dem Pestbazillus das Eindringen zu ermöglichen, sondern er findet auch durch die scheinbar ganz intakte Haut seinen Weg (Albeecht und Ghox). Durch Reiben, Kratzen usw. mag wohl diese Art der Infektion begünstigt werden. In dem ein­zelnen Fall kann man die Stelle der Infektion fast nie bestimmen, da sie in der Regel ganz reaktionslos bleibt. Es ist möglich, daß der Pestbazillus gelegentlich auch durch Insektenstiche (Flöhe) übertragen wird (Ogata). Ebenso wie die äußere Haut, können auch die äußeren Schleimhäute die Eingangspforte bilden (Conjunc- tiva, Nase, Mund, Genitale, Anus). Bei der Infektion von der äußeren Haut oder Schleimhaut kommt es zur Entwicklung von Bubonen (oder Karbunkeln) bzw.Pest­blasen und Bubonen.

Ein zweiter Infektionsmodus ist der durch Inspiration auf dem Wege des Respirationstraktus, der zur Entstehung der primären Pestpneumonie führt (Martini).

Eine dritte Möglichkeit, die Infektion auf dem Verdauungswege wurde bisher bloß von Wilm angenommen, seither aber von niemand mehr be­stätigt. Die Ergebnisse des Tierversuches machen diesen Infektionsmodus für den Menschen nicht sehr wahrscheinlich (Albrecht und Ghox). Durch ganz enorme Mengen pestbazillenhaltigen Materials (Verschlucken von Sputum bei primärer Pest­pneumonie) wurde von denselben Autoren einmal eine (auf ebengenannte Weise) sekundär entstandene Darminfektion beobachtet.