Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1905)
Entstehung
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396
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Dr. Rudolf Pöch.

Temperaturen über 30 0 hemmen nach Rosenau das Wachstum der Pestbazillen. Bazillen, welche von Toyama bei Temperaturen zwischen 2,5 und -|- 20 0 C im Freien gehalten wurden, büßten nicht an Virulenz und Lebensfähigkeit ein.

Im Wasser kann der Pestbazillus sich nicht vermehren. Das gewöhnliche Leitungs­wasser fand die deutsche Kommission schon nach 5 Tagen steril, Abel konnte noch nach 20 Tagen lebende Pestbazillen nachweisen. Eine ArtAnpassung des Pestbazillus ans Wasser erzielte Inghilleri.

Im Buboneneiter stirbt der Pestbazillus bald ab, schon vor der Eintrocknung des Eiters.

Im Vergleiche zu anderen Bakterien, z. B. Diplokokken, Streptokokken, hat der Pestbazillus eine viel geringere Vitalität, so dal! er in der Kultur von diesen überwuchert wird. Dasselbe gilt auch für das lebende Gewebe. Man findet daher bei Mischinfektionen von Pest und den genannten Erregern schließlich nur mehr die letzteren und nicht mehr den Pestbazillus.

Dasselbe gilt auch für nichtpathogene Bazillen: im Urin, in den Fäces wird der Pestbazillus ebenso von diesen verdrängt.

Gelatine- und Bouillonkulturen können besonders in dicken Schichten Jahrelang lebensfähig bleiben (Schultz, Uriarte), wobei nach Schultz kleine Körnchen die Dauer­formen darstellen.

Widerstandskraft des Pestbazillus gegen Schädlichkeiten.

Gegen Austrocknung ist der Pestbazillus ziemlich empfindlich. Jedoch wurde er nach Antrocknung an Leinwandstücken noch nach 30 Tagen lebend ge­funden (Abel). Neuerliche Wasserzufuhr während der Austrocknung setzt die Lebensfähigkeit der Pestbazillen sehr herab (Ficker).

Direktes Sonnenlicht tötet die Pestbazillen. Pestkulturen in Agarröhrchen waren nach einer Besonnung durch den ganzen Tag in Bombay abgetötet (Deutsche Kommission).

Die Hitze im Wasserbade von 5560° selbst durch eine Stunde genügt nach Albiieciit und Ghox noch nicht zur Abtötung. Nach Gotsciilicii ist die Kultur im Agarröhrchen auch durch Erhitzung auf 65° durch eine Stunde noch nicht verläßlich abgetötet. Er empfiehlt einen Zusatz von J 2 % Karbolsäure. Kolle findet gleichfalls, daß selbst mehrstündiges Erhitzen auf 65° C noch nicht genug ist, außer es geschieht im Schüttelapparat, da die Wärme dabei gleichmäßig ver­teilt wird. Nach seiner Ansicht darf man sich auf den Karbolzusatz nicht verlassen.

Einwirkung von Desinfektionsmitteln. l°,oo Sublimatlösung tötet den Pestbazillus sofort, 1 % Karbolsäure in 10 Minuten, 1 °'o Lysollösung in 5 Minuten, Chlorkalk in l%iger Lösung in 15 Minuten und 1% Ätzkalklösung in 30 Minuten. In einem Gemisch von sterilen Fäces und Kalkmilch sind die Pestbazillen in einer Stunde abgestorben. 1 . , 2 °oo Schwefelsäure tötet den Pestbazillus in 5 Minuten, 1 0 on Salzsäure in V 2 Stunde (Deutsche Kommission). Formalindämpfe (0,8 ccm Formaldehyd auf ein Zweilitergefäß) vernichten die Pestbazillen nach 24 Stunden. (Mme N. Schultz.)

Virulenz.

Der Pestbazillus kann auch bei künstlicher Fortzüchtung gewiß durch Monate seine Virulenz beibehalten, bisweilen auch ohne Uberimpfen (Albrecht und Ghon). Durch die Passage durch empfängliche Tiere erhöht der Pestbazillus seine Virulenz, seine Adaptation an eine bestimmte Tierart wurde aber nicht so weit beobachtet, dal! er dabei seine Viru­lenz für die andere Tierart eingebüßt hätte. Wegen der praktischen Wichtigkeit muß her­vorgehoben werden, daß das oben Gesagte auch für die Ratten gilt, d. h. daß der Pest­bazillus bei direkter Überimpfung von Ratte zu Ratte seine Virulenz nicht verringert.

In dieser Richtung angestellte Untersuchungen führten zu keinem einheitlichen und brauchbaren Ergebnis (Kolle, Otto, Hetsch).