Im künstlichen Nährboden sieht man alle beschriebenen Formen; häufig kommen lange „Ketten“ vor. Außerdem gibt es Degenerations- und Involutionsformen, oft von besonderer Größe und in mannigfaltiger Gestalt mit ganz abenteuerlichen Verzweigungen.
Zur Färbung eignet sich am besten Methylenblau für das Deckglaspräparat, für den Gewebsschnitt die ÜNNA’sche Färbung mit polychromem Methylenblau und nachfolgender Differenzierung in Glyzerin-Äthermischung. Gegen die GnAM’sche Färbung, sowie die WEiGERT’sche Modifikation derselben im Gewebsschnitt verhält sich der Pestbazillus unter allen Umständen negativ.
Der Pestbazillus gehört zu den Kapselbakterien. Die Kapsel ist jedoch nicht immer vorhanden und oft schwer nachweisbar. Das Wichtigste ist entsprechendes Trocknen und Fixierung vor der Anwendung einer der Methoden der Kapselfärbung.
Der Pestbazillus entwickelt keine Sporen. Er besitzt keine Geißeln und hat keine Eigenbewegung; er ist streng aerob.
ln der Systematik findet der Pestbazillus in der Gruppe der Bakterien der hämorrhagischen Septikämien seinen Platz (Bazillen der Hühnercholera, Schweineseuche, Rinderseuche usw.j.
Kulturelles Verhalten.
Agar-Agar.
Die oberflächlichen Kolonien sind nach 24 h noch klein, grauweiß im auffallenden, bläulich im durchfallenden Lichte. Nach 48h kann man zwei Typen unterscheiden: einerseits Kolonien mit scharf begrenzten, steil abfallenden Rändern, andererseits solche mit einem breiten, stark gebuchteten peripheren Saum. Dieser letztere Typus ist charakteristisch. Bei mikroskopischer Betrachtung löst sich die feine Granulierung der Randzone manchmal in wellig geschlungene Fäden auf, ähnlich einer Subtilis-Kolonie. Im Laufe der Zeit werden die Kolonien in der Mitte leicht gelblich-braun.
Tiefliegende Kolonien haben nichts Charakteristisches.
Strichkulturen auf Agar zeigen einen üppigen grauweißen Rasen mit gebuchteten, steil abfallenden oder wallartig aufgeworfenen Rändern, denen sich ein zarter Saum anschließt.
Gelatine.
Ebenso wie Agar. Bei Stichkulturen wachsen entlang des Stichkanals lange, büschelförmige Ausläufer (diese bleiben bei der Agar-Stichkultur kurz).
Fleischbrühe.
Keine Trübung, an der Oberfläche bildet sich ein Häutchen, von dem sich bei der leisesten Erschütterung Teilchen abbröckeln und zu Boden sinken, eine zarte fadenförmige Trübung hinter sich zurücklassend.
Der Gehalt von 1 °/ 0 oder 2 °/ 0 Pepton ist gleich günstig. Ein Zusatz von 1—2% Glyzerin beschleunigt das Wachstum nicht, ein solcher von 5 — 6 °/ 0 hemmt es. Bei Zunahme der Alkaleszenz des Nährbodens nimmt die Üppigkeit des Wachstumes ab.
Auf Serumagar wächst der Pestbazillus etwas besser als auf gewöhnlichem Agar. Auf Zuckeragar (1—5°/ 0 ) ist das Wachstum verzögert. Auf Kartoffel bildet der Pestbazillus einen Rasen, der sich anfangs in der Farbe von der Kartoffel nicht unterscheidet, später einen Stich ins Bräunlichgelbe bekommt. Milch wird nicht zur Gerinnung gebracht. Indolreaktion ist nicht nachweisbar.
Lebensfähigkeit des Pestbazillus.
Die zur Entwicklung in der Kultur günstigsten Temperaturen liegen zwischen 25° und 36° C. Es wurde aber auch sogar noch bei 3 J / 2 —4° C langsames Wachstum beobachtet. 1 ) Höhere Temperaturen verträgt er weniger gut, schon Temperaturen von 36° bis 37° C töten die Kulturen nach wenigen Tagen.
*) Arb. aus d. K. Gesundheitsamte. 16. Bd. S. 257.