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Bd. 2 (1905)
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Die Pest.

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schleppt und erzeugte, wo man sie anfangs übersah, oder ihrer nicht gleich Herr werden konnte, Epidemien.

1897 kam sie nach Djeddah in Arabien, die Ausbrüche wiederholten sich, 1899 nach Alexandrien, seither gab es mehrere Epidemien in dieser Stadt und im Delta, 1899 wurde die Seuche nachOporto verschleppt 4 in allengroßen euro­päischen Häfen kamen im Laufe der Zeit eingeschleppte Pestfälle vor. Die ersten Fälle in London fanden schon 1897 statt, bekannt ist der Pestfall in Triest 1899; dann kamen Fälle in Hamburg, Glasgow, Marseille, Neapel usw. und Labora­toriumsinfektionen in Wien und Berlin vor.

Vereinzelte eingeschleppte Fälle oder Seuchenausbrüche wurden im Laufe des letzten Dezenniums an allen möglichen Teilen der Welt, die an den Wegen des Weltverkehres gelegen sind, gemeldet; sogar der neue Kontinent, der bisher von der Pest verschont geblieben war, wurde diesmal von der Pest heimgesucht, und zwar in seinem nördlichen und südlichen Anteil, ebenso Australien und polynesische Inseln.

Es hat sich aber überall dort die moderne Hygiene stärker gezeigt als die Krankheit und die Ausbrüche wurden überall bald lokalisiert und unterdrückt.

Geographische Verbreitung und endemische Pestherde.

Die Pest zeigt in ihrer epidemischen Ausbreitung eine große Unabhängigkeit von der geographischen Lage und dem Klima des Ortes. In Wetljanka in Rußland wütete die Pest im Dezember 1878 bei 10 0 R, im äquatorialen Afrika gibt es be­kanntlich in Uganda und in Kisiba in Deutsch-Ostafrika auch einen endemischen Pest­herd. Dem menschlichen Verkehre folgend hat die Pest im Laufe der Zeiten fast den ganzen Erdball beschritten und sich da und dort für Jahrzehnte oder Jahr­hunderte festgesetzt; wenn wir ihre Geschichte verfolgen, können wir aber nirgends mit einiger Wahrscheinlichkeit klimatische oder andere Faktoren der geographischen Lage für ihre Ausbreitung oder ihr längeres Verweilen verantwortlich machen; vielmehr scheinen ihrer Verbreitung vor allem uneingeschränkter Verkehr der Menschen miteinander, enges Zusammen wohnen und schlechte hygienische Verhält­nisse im allgemeinen Vorschub zu leisten. Neben diesen Faktoren dürften die rein klimatischen und geographischen keine wesentliche Rolle spielen. Zur Zeit des schwarzen Todes litten die Hochtäler der Alpen ebenso wie die Niederungen des Rheins, die Krankheit wütete in gleicher Weise in Grönland wie in Italien.

Kein Erdteil ist von der Pest verschont geblieben. Daß Australien und Amerika erst von der letzten gegenwärtigen Epidemie heimgesucht werden, kann nur darin liegen, daß diese beiden Weltteile zur Zeit der früheren Epidemien noch außerhalb des Weltverkehrs gelegen waren.

Besonderes Interesse beanspruchen die sogenanntenendemischen Pest­herd e.

Bis zur Mitte des verflossenen Jahrhunderts galt Ägypten als die Heimat der Pest. Die Epidemien fanden namentlich im Deltalande statt und wiederholten sich jährlich während der Monate September bis Juni. Von 1844 bis 1899 blieb Ägypten pestfrei.

Ein zweiter afrikanischer Pestherd wurde im Jahre 1897 in Uganda und Kisiba von Zupitza erforscht. Die von der Pest heimgesuchten Dörfer lagen in Bananenhainen und wimmelten von Ratten; die Leute behaupten, die Krankheit herrsche in ihren Ländern schon seit undenklichen Zeiten.

Zwei Pestausbrüche in Benghasi, 1858 und 1874, werden auf das Hochland von Barka als endemischen Pestherd zurückgeführt. Zwischen 1853 und 1895