Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1905)
Entstehung
Seite
361
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Mittelmeer- oder Malta-Fieber.

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Darauf wird dem verdünnten Serum eine gleiche Menge der Emulsion von Micrococcus Melitensis zugesetzt, langsam und sorgfältig gemischt sodaß eine Ver­dünnung von 1: 40 entsteht. Von dieser Mischung des Blutserums und der Mikro- kokken-Emulsion untersucht man eine Probe im hängenden Tropfen unter Anwen­dung eines guten Objektivs und scharfen Okulars unter Abblendung des Lichtes mittels eines kleinen Diaphragmas. Die Mikroorganismen erscheinen zunächst gleich­mäßig verteilt im Gesichtsfelde in unaufhörlicher oszillierender Bewegung. Wenn der Kranke Mittel meerfieber hat oder kürzlich gehabt hat, ballen sie sich zusammen, sinken zu Boden und ihre Bewegung kommt mehr oder weniger vollständig zum Stillstand. Das Eintreten dieser Erscheinung ist als eine positive Reaktion anzusehen.

In gleicher Weise kann stärkere oder schwächere Verdünnung hergestellt werden, ich halte jedoch 1:20 für ungenügend und stärkere Verdünnungen als 1: 40 können versagen.

Fig. 6.

Micrococcus Melitensis vor nach

der Agglutination.

Der Rest der im Uhrgläschen befindlichen Mischung wird als eine ununter­brochenen Flüssigkeitssäule mit einem geraden Kapillarröhrchen von etwa 1 5 mm Durchmesser aufgesogen, beide Enden werden zugeschmolzen und 24 Stunden in Zimmertemperatur aufrecht stehen gelassen. Bei positiver Reaktion setzen sich die verklebten Mikroorganismen als eine weiße mit bloßem Auge leicht erkennbare Masse vom Boden ab, während die überstellende ganz klar bleibt (Wrigth).

Das Serum muß unbedingt ganz frei von Blutkörperchen sein, sonst reißen diese beim Niedersinken die Mikroorganismen mit und täuschen eine falsche Reak­tion vor. Kontrolluntersuchungen mit normalem Blut müssen gleichzeitig vorge­nommen werden.

Konrich hat kürzlich Beobachtungen veröffentlicht, nach welchenmanche normale Menschensera den Micr. Melitensis noch bis zu einer Verdünnung von 1 : 500 agglutinierten. Brauet und Nicolle stellten anderseits fest, daß bei klinisch diagnostizierten Fällen von Maltafieber die Agglutination ausblieb oder äußerst schwach war. Der Grund hiefür, sowie für die Lnterschiede der Grenzwerte bei einzelnen Beobachtern kann, wie Kaller mit Recht bemerkt, in der Eigenart einzelner Stämme des Micrococcus liegen oder in der Methode der Beobachtung oder der Auffassung dessen, was als positive Reaktion zu be­trachten ist.

Der Wert dieses diagnostischen Hilfsmittels, besonders in sporadischen Fällen, wird durch diese Meinungsverschiedenheiten nicht beeinträchtigt.

Prophylaxe.

Die zur Verhütung des Mittelmeerfiebers notwendigen Maßregeln sind kurz folgende:

1. Die Verbesserung aller hygienischen Verhältnisse in den Gegenden, wo die Krankheit endemisch herrscht.