Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1905)
Entstehung
Seite
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Mittelmeer- oder Malta-Fieber.

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sich hinmurmelnd in tiefem Delirium da, an welches sich Verlust des Gedächt­nisses für einige Zeit anschließt.

Die Reflexe sind häufig gesteigert, ausgenommen chronische Fälle, wo sie vielfach vermindert gefunden werden.

Prognose.

Die Sterblichkeit an Maltafieber ist unbedeutend und beträgt nach Bruce etwa 2 %, wobei Hyperpyrexie und Herzschwäche die Todesursachen sind. Wenn die Temperatur sich dauernd auf einer Höhe von etwa 40,5° C (105° F) erhält, so ist Gefahr im Verzüge, ebenso wenn der Puls flatternd wird und aussetzt, was beim primären Anfall sowohl wie bei jedem Rückfall Vorkommen kann.

Es kann nicht laut genug betont werden, daß in jedem Krankheits­stadium die Krankheit einen höchstbedrohlichen Charakter annehmen kann. Ver­fasser hat oft beobachten können, daß nach monatelanger Krankheit der Patient an­scheinend der Genesung entgegenging und doch ein Rückfall mit schwereren Er­scheinungen eintrat als in irgend einem der vorhergehenden Anfälle.

Die Gefahr steigt natürlich mit der zunehmenden Schwäche des Kranken. Es ist zwar stets unvorsichtig, sich über die vermutliche Dauer der Erkrankung vorher auszusprechen, immerhin vermag nach den Erfahrungen des Verfassers Entfernung aus dem Bereiche der Endemie durch die Verhütung von Rückfällen den Verlauf abzukürzen. Wenn die fieberfreie Periode 10 Tage angehalten hat, die Zunge sich reinigt, der Puls normal wird und der Appetit wiederkehrt, dann darf man auf eine endgültige Genesung rechnen. Wenn aber die Krankheit nach 2 Monaten noch nicht weichen will und die so häufig eintretenden tiefgehenden Veränderungen in der Blutbeschaffenheit stattgefunden haben, dann kann sie sich über einen unbestimmten Zeitraum hinschleppen mit unregelmäßigen leichten Fieberattacken, schweren An­fällen von Neuritiden und allgemeiner Schwäche, wodurch so mancher dauernd dienstunfähig wird.

Sorgfältiges Studium der im Blut vorhandenen relativen Menge aggluti­nierender Stoffe erleichtert in etwa die Stellung der Prognose. Derartige Unter­suchungen wurden von Lamb und Birt 1899 sorgsam vorgenommen. Verfasser konnte die Ergebnisse derselben in einer Reihe von Untersuchungen in Haslar be­stätigen und kann aus seinen Beobachtungen folgende Schlüsse ziehen:

1. Eine andauernd hohe Agglutination ist im allgemeinen günstig.

2. Ein konstantes Ansteigen von niedriger zu hoher Agglutination deutet auf Genesung.

3. Rasches Fallen von hoch auf niedrig ist ungünstig.

4. Anhaltendes Vorkommen niedriger Agglutination ist ungünstig.

Diagnose.

Im Frühstadium ist die Diagnose äußerst schwierig. Es kommt besonders die Unterscheidung von Malaria, akutem Rheumatismus und Typhus (Typhoid, Enteric fever) in Betracht.

Die Differentialdiagnose zwischen Malaria und Maltafieber kann durch die mikroskopische Blutuntersuchung und durch den Nachweis der verschiedenen Blut­parasiten entschieden werden, ferner durch das Ausbleiben der Chininwirkung.

Akuter Rheumatismus ist in den Tropen und auch im Mittelmeer sehr selten. Fast alle Erkrankungen mit akutem Fieber und Schweißausbrüchen werden den lang hingezogenen Verlauf des Mittelmeerüebers zeigen. Endokarditis wird nicht eintreten. Ferner sind beim Mittelmeerfieber Ergüsse in die Gelenke seltener und