Mittelmeer- oder Malta-Fieber,
Von
Flottenarzt Dr. P. W. Bassett-Smith,
Lehrer der Tropenmedizin am Königlichen Marine-Lazarett in Haslar.
Deutsch von C. Mense.
Definition.
Mittelmeer- oder Malta-Fieber ist eine spezifische, infektiöse, in gewissen Gegenden endemische, gelegentlich in milder epidemischer Form auftretende fieberhafte Erkrankung von längerer, zeitlicli unbestimmter Dauer mit unregelmäßigem Verlaufe, aber deutlich ausgeprägter Neigung zu Rückfällen mit wellenförmiger Fieberkurve. Es ist charakterisiert durch das Eintreten reichlicher Schweiße, häufiger und hartnäckiger Verstopfung, Kopfschmerzen, Scldaflosigkeit, Anschwellung und Schmerz in den Gelenken, Vergrößerung und Druckempfindliciikeit der Milz. Im weiteren Verlaufe ist die Krankheit von hartnäckigen Neuralgien und weitgehenden Veränderungen der Beschaffenheit begleitet. Die Genesung verläuft schleppend, die Sterblichkeit ist gering. In gewissen Geweben ist ein spezifischer Mikroorganismus, Micrococcus Melitensis, konstant vorhanden.
Bezeichnungen der Krankheit.
Die Krankheit ist unter vielen verschiedenen Bezeichnungen bekannt, welche sich entweder auf die Örtlichkeit, wo dieselbe beobachtet wurde oder auf einige besonders hervortretende Symptome beziehen. Zu den ersteren gehören: Gibraltar -Fieber, Felsen-Fieber, Neapolitanisches Fieber, Kreta-, Cypern- oder Donau-Fi eher usw., zu letzteren: Intermittierendes
typhoides Fieber, Typho-Malaria, Faeco-Malarial fever, Febbre tiphoidea atypica, Febris sudoralis, Undulant fever usw.
Die letzte Bezeichnung wurde von Hughes gewählt und ist vielleicht die beste, da sie nicht nur ein geographisches Gebiet angibt, sondern auf die charakteristischen Krankheitserscheinungen hinweist. Allgemeine Verbreitung hat jedoch nicht dieser, sondern der Name: Mittelmeer- oder Malta-Fieber gefunden.
Geschichte und geographische Verbreitung.
Die ersten genaueren Mitteilungen über die Krankheit sind zu Anfang des vorigen Jahrhunderts in den Berichten der Ärzte der britischen Armee und Flotte zu finden, wenn dieselbe auch zweifellos schon in früheren Zeiten an den Küsten