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Dr. Paul Krause und Dr. Th. Rumpe.
peritonealer Infektion mit Choleravibrionen erkranken Meerschweinchen unter peri- tonitischen Symptomen und gehen bei Anwendung von gröberen Dosen zugrunde (Koch).
R. Peeiee'er hat diese Verhältnisse durch methodische Untersuchungen in eingehender Weise studiert.
b) Infektion mit Cholerakulturen am Menschen.
Infektionen mit Cholerareinkulturen am Menschen sind teils absichtlich angestellt worden, teils auch unabsichtlich vorgekommen. Denselben jede Beweiskraft absprechen zu wollen, ist z. Z. nicht mehr möglich, wenn auch zugegeben werden mub, dab diese Versuche zur Klärung der Choleraätiologie bisher nicht viel geleistet haben, da die Zahl der Fälle zu gering ist, um daraus allgemein geltende Schlüsse ableiten zu können; auch in Zeiten von Choleraepidemien bleiben eine grobe Menge Menschen gegen Cholera immun, ohne dab wir bisher imstande sind, irgend welche faßbare Gründe dafür anzugeben.
Unbeabsichtigte Infektionen mit Cholerabazillen haben sich nach Kohle im Institut für Infektionskrankheiten beim Arbeiten mit Cholerabazillen ein Arzt, welcher 1884 an einem Cholerakurs teilnahm, ferner R. Peeiefer und E. Pfuhl, ferner in Hamburg Dr. Orgel im Jahre 1895 zugezogen. Die Erkrankung von R. Pfeiffer war eine sehr schwere, die Kommabazillen hielten sich wochenlang in den diarrhoischen Stühlen.
Dr. Orgel , welcher sich beim Arbeiten mit Choleravibrionen im hygienischen Institut zu Hamburg infizierte, starb mehrere Tage nach der Infektion in tiefem Koma. Auch aus anderen Laboratorien sind unbeabsichtigte Infektionen bekannt geworden.
Von beabsichtigten Infektionen sind am bekanntesten die Selbstversuche von Pettenkofer und Emmerich. Pettenkofer alkalisierte durch eine Lösung von Xatr. biearbonic. seinen Magensaft und nahm darauf 1 ccm Cholerabouillonkultur, er bekam nach 16 Stunden Durchfälle, welche teilweise farblos, teils sehr hell waren; er genall.
Emmerich, welcher durch Genul! von SUj 1 Bier absichtlich die Einnahme der Cholerabazillen mit einem Diätfehler verband, bekam im Laufe von etwa 20 Stunden starke Durchfälle mit massenhaften Entleerungen von reiswasserähnlichen Stühlen, mit Schwächegefühl, völliger Aphonie und spärlicher rrinsekretion. Die Erkrankung war zweifellos eine ernste.
Andere Selbstversuche wurden von Rochefontaine (Paris), Klein (Bombay), Rueger (Elberfeld), Wall f Budapest) teils mit positivem, teils mit negativem Resultat angestellt, Todesfälle kamen dabei nicht vor; an anderen Personen stellte Metschnikoff (Paris, an 12 Menschen). Hasterlick (Wien, an 8 Menschen), Wall (Indien, an 11 Menschen) Versuche an, sämtliche Versuche durch Einführung der Bazillen per os. Klemperer injizierte viermal Bazillen subkutan.
Es führt zu w^eit, alle diese Versuche im einzelnen zu schildern. Bei einzelnen traten gar keine Krankheitserscheinungen ein (Rochefontaine, Klein, in 5 Fällen von Metschnikoff, in 5 Fällen von Hasterlick, Ruegen, Wall); in den anderen kam es teils nur zu Durchfällen, während in einzelnen, z. B. in einem Falle von Metschnikoff neben starken Durchfällen, Wadenkrämpfe. Aphonie, wiederholtes Erbrechen, Anurie auftraten.
Eine Klärung über die Ursachen, weshalb in dem einen Falle die Erkrankung nach Einnahme der Cholerabazillen eine leichte, in dem anderen eine schwere war, haben sämtliche Versuche an Menschen nicht erbracht.
Differentialdiagnose des Cholerabazillus.
Im Laufe der Jahre sind eine große Anzahl von Vibrionen bekannt geworden, welche mit dem Erreger der Cholera teils morphologisch, teils biologisch eine gewisse Ähnlichkeit haben, es ist überflüssig alle bisher bekannten Arten hier aufzuzählen, ich erwähne den Vibrio M e t s e li n i k o f f i, den Bacillus t y r o g e n e s D e n e k e, den Bacillus proteus F i n k 1 e r - P r i o r, die vielen Arten der Wasser- vibrionen u. a.
Eine genauere Unterscheidung dieser Arten vom Cholerabazillus ist nur mit