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Dr. R. Rüge.
Ewald empfiehlt:
Erstes Frühstück:
250 ccm Eichelkakao, ein weiches Ei oder 300 ccm Milch mit Rahm,
50 g geröstetes Brot.
Mittags:
180 g Schleimsuppe mit Einlage von ca. 10 g Nutrose. Sanatogen usw. ev. ein Ei,
125 g gewiegte Hühnerbrust, Kalbsmilch, Fisch ( Hecht, Forelle, Barsch, Irische Flundern),
75 g Kartoffel oder Maronenpuree. Abends 8 Uhr:
200 g Suppe mit Pepton, Ei und ähnlichem oder Tee mit Zucker und Milch,
100 g geröstetes Brot mit Butter.
Zweites Frühstück:
50 g feingeschabtes, gekochtes Fleisch mit etwas Salz,
50 g Fleischgelee,
100 ccm Mich.
Nachmittags 4 Uhr:
250 g Eichelkakao.
Nachmittags 6 Uhr:
250 g 3 tägigen Kefir oder Milch mit Kalkwasser, ev. 2 Teile Milch und 1 Teil Rahm.
Abends 10 Uhr:
180 g Milch. Kefir oder Mehlsuppe oder 30—40 g Cakes.
Dieser Speisezettel würde höchstens 2000— 2200 Kalorien, also eine erhebliche Unterernährung ergeben und muß hier eben so genau wie möglich sich nach der individuellen Toleranz der Kranken richten. Viele Kranke werden nicht einmal soviel, wie oben angegeben, genießen können.
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Diagnose.
Die Diagnose der Ruhr ist durchaus nicht immer leicht. Wenn es sich um typische Fälle handelt, bei denen —- namentlich während einer Epidemie — Stühle unter heftigem Tenesmus entleert werden, die nur aus Schleim und Blut bestehen, wenn diese Stühle stets nur in ganz geringen Mengen und dafür sehr häufig entleert werden, so wird kein Arzt im Zweifel darüber sein, daß er es mit einem Ruhrfall zu tun hat. Natürlich ist die Besichtigung des Stuhls unumgänglich notwendig, wenn man die richtige Diagnose stellen und nicht in Irrtümer verfallen will, wie es in einem Falle von Davidson berichtet wird.
Es handelte sich da um eine Dame, die früher wegen Hysterie behandelt worden war, und die wiederum erkrankte. Sie hatte wenig kopiöse wässerige Stühle, die durchaus nicht häufig waren und mit etwas Tenesmus entleert wurden. Die Hauptklage der Kranken bezog sich aber nicht auf Leibschmerzen, sondern auf Harnverhaltung. Sie wurde so lange auf Hysterie behandelt — und zwar mit kalten Bädern — bis eines Tages ein röhrenförmiges Stück Darmschleimhaut im Stuhl entleert wurde. Da erst wurde die Krankheit als Dysenterie erkannt. Wenn die Stühle vom Anfang an besichtigt worden wären, würde die Krankheit wohl sofort erkannt worden sein.
Andererseits darf man alter auch nicht jeden Darmkatarrh, bei dem sich gelegentlich etwas Blut im Stuhle findet, wie das in den Tropen häufig beobachtet wird, für Dysenterie ansehen. Solche Durchfälle werden namentlich bei Neuankömmlingen in den Tropen beobachtet. Es sind das jene Durchfälle, die anscheinend rasch vorübergehen, aber eine große Neigung zu Rückfällen hinterlassen, immer und immer wieder auftreten und schließlich chronisch werden können.
Besonders schwierig ist das Erkennen von sogenannten abortiven Ruhrfällen, namentlich im ersten Beginn einer Epidemie. Wenn man auch während einer Ruhrepidemie jeden Durchfall als verdächtig ansehen wird, so wird das doch beim
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