Bazillenruhr.
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agglutiniert wurde. Pseudo-Ruhrbazillen sind bis jetzt sechs Arten bekannt geworden. Sie unterscheiden sich dadurch vom echten Ruhrbazillus, daß sie
1. z. T. beweglich sind (Lentz), während die echten Ruhrbazillen unbeweglich sind,
2. z. T. Indol bilden (Kruse), was die echten Ruhrbazillen nicht tun,
3. Lackmusmolke blau färben, also Alkali bilden, während die echten Ruhrbazillen mäßig Säure bilden (Lentz).
4. nicht durch Serum, das von Ruhrkranken stammt, agglutiniert werden, sondern immer nur durch das Serum desjenigen Kranken, von dem der betreffende Pseudo-Ruhrstamm gezüchtet worden ist. Es werden also nicht einmal sämtliche Pseudo-Ruhrstämme durch ein von irgend einem Pseudo-Ruhrkranken stammenden Serum agglutiniert,
5. werden die Pseudo-Dysenterie-Bazillen nicht durch Serum agglutiniert, das von künstlich mit echten Ruhrstämmen immunisierten Tieren stammt.
Unter den kulturellen Hilfsmitteln ist der Mannit-Lackmus-Agar wahrscheinlich das wertvollste, da die Erscheinungen auf ihm konstant sind. Ausschlaggebend ist nach dem jetzigen Stande unserer Kenntnisse das Verhalten der Pseudo-Ruhrstämme gegenüber der spezifischen Agglutination (s. Nr. 6). Zu bemerken ist noch, daß Kruse bei 33 Gesunden vergeblich auf den Pseudo-Ruhrbazillus fahnden ließ.
Vedder und Duval, die ihre Untersuchungen in den Armen- und Irrenanstalten von Philadelphia und New Haven machten, erkennen die Pseudo-Dysenterie-Bazillen deshalb nicht an, weil der von ihnen gezüchtete Pseudo-Ruhrbazillus durch ein Serum agglutiniert wurde, das von einem durch Shiga immunisierten Pferde stammte. Doch scheint es fraglich, ob dieser Angabe Vedder’s und Duval’s irgendwelche Bedeutung zuzuschreiben ist, weil nach einer Mitteilung von Lentz Shiga das serumliefernde Pferd mit verschiedenen Ruhrstämmen immunisiert hatte.
Epidemiologie.
Die Epidemiologie der Ruhr bietet nicht so markante Erscheinungen wie etwa die Epidemiologie der Malaria oder des Gelbfiebers. Das zeigt sich bereits in der Verbreitungsweise der Ruhr. Während Gelbfieber und Malaria auf bestimmte Gebiete der Erdoberfläche beschränkt sind, reicht die Ruhr soweit als die menschlichen Ansiedlungen reichen. Allerdings ist die Ruhr nicht gleichmäßig über die ganze bewohnte Erdoberfläche verbreitet, sondern nimmt geradeso wie die Malaria von den Polen nach dem Äquator hin sowohl an Extensität als auch an Intensität zu. Indessen geschieht diese Zunahme nicht gleichmäßig. In manchen Gegenden gleicher geographischer Breite ist das eine Mal die Ruhr außerordentlich stark, das andere Mal verhältnismäßig schwach verbreitet. Diese Unterschiede haben zu zahlreichen Erklärungsversuchen Veranlassung gegeben. Man meinte zunächst in der Bodenbeschaffenheit den regulierenden Faktor suchen zu müssen und da man zugleich gefunden zu haben glaubte, daß die Ruhr am stärksten da auftrat, wo sich berüchtigte Malariaherde befanden, so schrieb man dem feuchtwarmen Boden der tropischen Flußniederungen eine die Entwicklung der Ruhr fördernde Eigenschaft zu. Indes schon Hirsch (III, S. 236) wies nach, daß sich auf trockenem Sandboden ebenso intensive Ruhrherde fänden, wie auf feuchtwarmem Sumpfboden und die Ruhr sogar auf Kalkboden Fuß fassen könnte. Er beruft sich dabei auf die Berichte von Peyhouse in Roche Blanche, Hauff in Württemberg, Gauster in Krain u. a. m. Wenn also von einem Einfluß der Bodenbeschaffenheit auf die Verbreitung der Ruhr nicht gut geredet werden kann, so unterliegt es doch keinem Zweifel, daß mit der Zunahme der Wärme auch eine Zunahme der Ruhrerkrankungen stattfindet und zwar verhielten sich in dieser Beziehung gemäßigte und heiße Klimate gleich. Wir begegnen überall der Tatsache, daß im Norden die Ruhrepidemien zum weitaus größten Teil während des Hochsommers und zu Beginn des Herbstes einsetzen, während sie in tropischen Gegenden in die Übergangszeiten von den Regen- zu den Trockenzeiten fallen. Ein Umstand aber ist noch besonders beachtenswert. Wir finden nämlich grofse Ruhrepidemien
Alense, Handbuch der Tropenkrankheiten. II. 16