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l)r. K. ßi'OK.
Ihre Bindegewebszellen beginnen zu wuchern. Es kann aber auch Vorkommen, daß sich größere Blutaustritte in der Submucosa entwickeln. Oder aber es kommt zur Entwicklung fibrinöser Exsudate, zur Bildung von diphtherischen Membranen und zu einer tiefgreifenden Nekrose. An solchen Stellen findet man dann zahlreiche Bakterien im Gewebe und zwar sowohl Kokken als Stäbchen. Es können aber auch Gebilde in gefärbten Schnittpräparaten Vorkommen, die Amöben täuschend ähnlich sehen. In welcher Weise man sich in dieser Beziehung vor Irrtümern schützen kann, ist in dem Kapitel Amöbenruhr erwähnt.
b) Chronisches Stadium, ln chronischen Fällen ist der ganze Dickdarm verdickt, induriert, zum Teil verengert, zum Teil erweitert, der Bauchfellüberzug ist dunkel verfärbt. Die Darm schleim haut ist mit kleinen Blutaustritten durchsetzt, ihrer Oberfläche fehlt die spiegelnde Glätte des gesunden Darms, sie erscheint matt und glanzlos. An einzelnen Stellen finden sich schieferige Pigmentierungen, und zwar nicht nur da, wo Narben auf das frühere Vorhandensein von Geschwüren hinweisen, sondern auch in scheinbar gesunder Darmschleimhaut, granulierende Stellen oder umschriebene Pseudomembranen. Eigentliche Geschwürsbildung fehlt aber. Bei der mikroskopischen Untersuchung zeigt sich, daß das Epithel der Schleimhaut fehlt und daß nur noch wenig Drüsen vorhanden sind. Submucosa und Muskularis sind durch Bindegewebe ersetzt, das von einzelnen Muskelfasern durchzogen ist. Schwierigkeiten in der Deutung der Bilder entstehen bei Mischinfektionen zwischen Dysenteriebazillen und -amöben.
Ätiologie und Vorkommen.
B a k t e r i o 1 o g i e.
Nach allem, was wir bis jetzt über die Bazillenruhr wissen, scheint auch diese nicht einheitlich zu sein. Wir müssen vielmehr annehmeu, daß die vom klinischen Standpunkte aus als Dysenterie bezeichnete Krankheit nicht von einem und demselben Bazillus, sondern walu-scheinlich von verschiedenen Bazillen hervorgerufen werden kann. Alle diese Bazillen stehen sich zwar außerordentlich nahe, so daß sie in einer Gruppe vereinigt werden können, sie weisen aber doch deutliche Unterschiede auf und verhalten sich namentlich den künstlich hergestellten hochwertigen Immuuseris gegenüber verschieden. Als sicher feststehende K u lu- erreger können der Bazillus Kuuse-Siuga und der Bazillus Flexxeii angesehen w erden.
1. Geschichtliches. Als die Ära der Bakteriologie begann und man anfing in den kleinsten Lebewesen Krankheitserreger zu vermuten, gingen einzelne Autoren schon sehr früh darauf aus, die Erreger der Dysenterie festzustellen. Die bakteriologischen Arbeiten über Ruhr sind indes nicht so zahlreich, wie man erwarten sollte. Das mag seinen Grund darin halten, daß die Schwierigkeiten, die hier einer Untersuchung entgegenstehen, wohl manchen abgeschreckt haben. Aus dem gleichen Grunde ist es auch nicht verwunderlich, daß bis in die neuste Zeit hinein noch keine volle Einigkeit über die Natur der Ruhrerreger erzielt wurde und daß selbst nach der Entdeckung der echten Ruhrbazillen immer noch Arbeiten erschienen sind, die andere Kleinwesen als die Ruhrbazillen zum Ruhrerreger stempeln wollen. Man kann im allgemeinen sagen, daß über den vermeintlichen Ruhrerreger 4 verschiedene Ansichten bestanden.
Die erste Gruppe der Autoren glaubte in einem bestimmten Kleinwesen — jeder Autor allerdings in einem anderen — den Ruhrerreger gefunden zu haben. Die zweite Gruppe der Autoren nahm an. daß das Bacterium coli commune