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Bd. 2 (1905)
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Berberi oder Kakke (Polyneuritis endemica).

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Ausscheidung des Harnstoffes, der Harn- und Phosphorsäure vermindert, doch ist darauf kein großes Gewicht zu legen, da die Nahrung nicht analysiert wurde. Ge­frierpunkt und elektrische Leitfälligkeit haben wir noch nicht genügend untersucht, um bestimmte Angaben machen zu können. Indikan findet man in akuten und liydropischen Formen sehr häufig, selbst bei denjenigen Kranken, welche mit Abfülir- mitteln behandelt werden. Besonders schön gelingt die Probe, wenn man sich der OnERMEYEiischen Modifikation bedient. Der eine von uns (Miura) hat bei 50 Kranken aller Art den Urin auf diese Weise untersucht um zu sehen, ob sich auch bei Nicht-Beriberikranken die Indikanreaktion findet, doch war das Resultat mit Ausnahme von Perityphlitis durchaus negativ.

Über die Atmungsorgane und die Haut haben wir dem nichts hinzuzufügen, was schon oben gesagt worden ist, dasselbe gilt von serösen Höhlen. Erwähnt sei nur noch, daß wir in einigen Fällen der trocknen Form leichtes Tanzen der Patella beobachtet haben, wenn der Patient sehr lange bettlägrig war.

Diagnose.

Wer irgendwie aufmerkt , wird nicht leicht einen Irrtum in der Erkennung der Beriberi begehen, wenn er sich in einem Lande befindet, wo die Krankheit häufig ist. Die Kombination von Sensibilitätsstörung mit Schwäche in den Beinen und eventuell in den Händen, das Verhalten der Reflexe, der Druckschmerz der Wadenmuskeln, Herzklopfen, eventuell Ödem der Beine, Harnverminderung machen die Diagnose leicht.

Es könnten indessen doch folgende Affektionen in Betracht kommen:

Myelitis spinalis. Dabei bestehen verstärkte Reflexe, namentlich auch Fußklonus, Lähmung der Glieder bei nicht atrophischer Muskulatur, Lähmung von Blase und Mastdarm, oft völlige Anästhesie, kein Schmerz der Wadenmuskeln, keine elektrischen Zeichen von Entartung der Nerven, keine Herz- und Nierensymptome, alles anders als bei Beriberi.

Bei LANDRYsche Lähmung hat man im Beginn Fieber, Kopfschmerz, Schweiß am Rücken und in den Gliedern bei ganz normaler Sensibilität und intaktem Kreislauf.

Bei Tabes dorsalis ist die rohe Kraft erhalten, es bestehen zuerst strahlende Schmerzeu, ferner Pupillenstarre, Ataxie, Blasen- und Mastdarmsymptome, Gürtelgefühl etc.

Bei Lepra sind meist die Nervenstänune verdickt, es besteht meist wirkliche Anästhesie, anstatt wie bei Beriberi Hypästhesie, es sind fast immer Flecke oder Knoten oder diffuse Verdickung der Haut da. Ferner ist natürlich entscheidend der Nachweis des Leprabazillus.

Bei Dystrophia musculorum progressiva fehlen alle bei der Beriberi beschriebenen Erscheinungen der Sensibilität und die elektrischen Entartungszeichen.

Schwierig kann die Diagnose werden, wenn sich Beriberi mit einer dieser Krankheiten kompliziert.

Natürlich muß man Simulation, z. B. bei Gefangenen, immer auszuscliließen suchen und besonders bei Europäern an die Möglichkeit einer alkoholischen Poly­neuritis denken. Uber die Differentialdiagnose zwischen Beriberi und afrikanischer Schlafkrankheit siehe letztere in Bd. III dieses Handbuchs.