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Prof. E. Balz und Prof. Kinnosuke JIiuba.
Der Tod erfolgt unter kleinem frequentem Puls, Cvanose und Lungenödem in einigen Stunden bis 'Wochen, nachdem sich schließlich das bisher klare Bewußtsein mehr oder weniger getrübt hat. 1 ) Oft kommt es zu ganz umschriebenen zollhohen Odemen, die das nahende Ende ankündigen. Die Genesung ist in heftigen Fällen selten, in milderen Fällen hebt sich der Arterientonus, die Pulsfrequenz sinkt, die Atmung wird ruhiger, die Urinmenge wird größer und der Zustand geht allmählich in Heilung über, ohne stärkere Lähmung zurückzulassen.
Besondere Erwähnung erfordert noch die Beriberi der Säuglinge (nach Hiiiota).
Säuglinge, welche von beriberikranken Müttern gestillt werden, bieten manchmal einen Symptomenkomplex, der dem Bilde der akuten, perniziösen Form sehr ähnlich ist: Hartnäckiges Erbrechen, Cyanose um den Mund und die Nase, Dyspnoe, Aphonie, frequenter Puls mit Verbreitung der Herzdämpfung nach rechts, Odem, Arteriengeräusch an der A. cruralis u. dgl., stets ohne Fieber. Beim Wechsel der Milch verschwinden diese Symptome mehr oder weniger rasch innerhalb 1—13 Tagen, und die Aphonie allein bleibt noch wochenlang zurück. Die Schwere dieser Erscheinungen geht nicht immer mit der Schwere der Krankheit der stillenden Frau parallel, sondern sie können sogar auch da auftreten, wo die Mutter oder die Amme noch vollkommen von Beriberi frei zu sein scheint (außer der Indicanreaktion im Harn) und erst später manifeste Symptome zeigt (latente Beriberi). Htrota hat den Eindruck, als ob die Säuglinge bei fortschreitender Beriberi der Mutter schwerer erkrankten als im Stadium der Besserung.
Genauere Beschreibung und Analyse der einzelnen Symptome.
Allgemeiner Zustand. Das Aussehen der Beriberikranken ist mehr oder weniger blaß und oft gedunsen; die allgemeine Ernährung, in frischen Fällen wenig alteriert, zeigt in chronischen Fällen starke Abmagerung. Den schrecklichen Zustand der perniziösen und der atrophischen Form haben wir schon oben geschildert, so daß hier nicht näher darauf eingegangen wird.
Daß bei der Mehrzahl oder auch nur bei einer großen Zahl von Kranken dem Ausbruch des Leidens ein ausgeprägtes allgemeines Krankheitsgefühl vorausgeht, müssen wir bestreiten. Wenn es vorkommt, gehört es nicht zur Beriberi selbst.
Das subjektive Befinden ist im Verhältnis zu der Schwere der Erkrankung oft auffallend gut, und in leichten Fällen kaum oder gar nicht affiziert. Das Sensorium ist in unkomplizierten Fällen stets klar, außer gegen den nahender Tod bei der perniziösen Form. Bemerkenswert ist jedoch, daß gewisse Geistesstörungen sich mit dem Beginn von Beriberi gerne einstellen bei den dazu disponierten Personen. Einmal sahen wir sogar den KoRSAKOFF'schen Symptomenkomplex bei einer Patientin auftreten und mit der Besserung von Beriberi verschwinden.
DieKörpertemperatur ist in den unkomp 1 izierten Fä 11 en stets normal. Der Ansicht von Scheube und Aoyama, daß die Temperatursteigerung bei dieser Krankheit häutig sei und eigentlich zu den Symptomen derselben gehöre, können wir nicht beipflichten, noch weniger der GitiMM’schen Behauptung, daß die Temperatursteigerung zu den konstanten Symptomen von Beriberi gehöre. Grimm scheint unkomplizierte Fälle gar nicht zu kennen.
*) Im Gegensatz zu Scheube haben wir Fälle, die in 1 — 2 Tagen, ja selbst in weniger als 24 Stunden tödlich verliefen, in Japan wiederholt beobachtet.