Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1905)
Entstehung
Seite
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Beriberi oder Kakke (Polyneuritis endemica).

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Parästhesien. Nach achttägigem Bestände des Ödems tritt ein Exanthem auf, welches im Gesicht einen erythematösen Charakter trägt, auf dem Körper mehr an Masern oder Rüthein erinnert. In manchen Epidemien sind Durchfälle und Erbrechen, in anderen dysenterische Erscheinungen häufig. Störungen seitens der Zirkulations- und Respirations­organe sind stets deutlich ausgeprägt, auch tritt stets starke Anämie ein, selten skorbutisclie Veränderungen. Die Sterblichkeit ist verschieden und beträgt 240 %.

4. Die akute perniziöse oder kardio-vaskuläre Form.

(Kardiale Form, Sciieube; vasomotorische Form, Glognek; japanisch: S ho o sh in

oder Niushin.)

Diese Form entwickelt sich akut und primär bei kräf­tigen jugendlichen Leuten (aus der latenten Form?) oder aus den vorher beschriebenen Formen durch Überanstrengung, durch Einsetzen einer fieberhaften Krankheit, durch chirur­gische Operationen u. dgl., oft auch ohne alle nachweisbare Ursache. Ganz rasch, oft im Verlaufe einiger Stunden oder Tage bilden sich Präkordialangst, Dyspnoe, Übel­keit, Erbrechen und Jaktation unter vermehrter Puls- und Atemfrequenz aus, während die Körper­temperatur normal bleibt, außer bei Komplikationen. Das Herz, sowohl der linke, als namentlich der rechte Ventrikel, ist dilatiert, die ganze Herzgegend und ihre Umgebung unduliert wegen der Parese der Interkostalmuskel und wegen der verstärkten Herzaktion. Die Herztöne sind akzentuiert, der erste an der Spitze, der Muskelton, hat oft einen eigenen gedehnten Klang, oder es besteht ein systolisches Geräusch daselbst und auch in der Nähe des linken zweiten oder dritten Interkostalraums; der zweite Pulmonal ton ist verstärkt, auch hört man oft an der Herzbasis Verdopplung des zweiten Tons. An den großen Arterien, besonders an der A. cruralis, hört man ein arterien-diastolisches Geräusch oder einen ebensolchen Ton, manchmal auch Doppelgeräusche und Doppeltöne. Der Puls ist sehr frequent, 120 und mehr, im Anfang voll und groß, hüpfend, aber weich, wegen der heftigen Arbeit des Herzens bei gleich­zeitiger Erschlaffung der Arterien. Das Sphygmogramm zeigt einen spitzen Gipfel und starke Rückstoßwelle bis zur Dikrotie. (Fig. 5.)

Die Atmung ist wild, schnappend, keuchend, der ganze Thorax wird samt den Schultern krampfhaft gehoben und fällt ebenso rasch wieder zusammen. Der Blick voll Entsetzen, hilfesuchend. Der gequälte Kranke wirft sich, wenn es ihm der Zustand seiner Muskel noch gestattet, rastlos hin und her. Lähmungsartige Schwäche der Ex­tremitäten, leichte Parästhenie oder Hypästhesie sowie unbe­deutendes Ödems, Verminderung der Urinmenge, seltener Aphonie usw. pflegen diesen schrecklichen Zustand zu begleiten. Der Urin ist in solchen akuten Fällen stark indikanhaltig und zeigt seltener auch schwache Diazo- reaktion neben spärlichem Eiweiß und Zylindern. Auch Urinverhaltung kommt vor.