Beriberi oder Kakke (Polyneuritis endemica).
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und schließlich tritt ein Zustand vollkommener Atrophie und Lähmung aller Extremitäten ein, wobei auch die Rumpfmuskeln nicht verschont bleiben. In diesem Zustand, den Fig. 3 und die Tafeln YI und YII zeigen, bieten die Kranken ein Bild skelettartiger Abmagerung, wie es bei anderen Leiden selten vorkommt. Dagegen bleiben Blase und Mastdarm frei.
Fig. 3.
Schwere atrophische Beriberi.
Das kleine Bildchen zeigt die Lähmung der Hände.
Früher oder später stellt sich sodann in den weitaus meisten, günstigen, Fällen | ganz allmählich eine Besserung ein und je nachdem durch elektrische Untersuchung an den Nerven und Muskeln eine einfache Herabsetzung der Erregbarkeit oder deutliche Entartungsreaktion konstatiert wurde, erfolgt die Heilung in einigen oder erst in vielen Monaten. Die normale Sensibilität kehrt langsam wieder, dann Motilität, elektrische Reaktion und das Volumen. Die Patellarreflexe bleiben noch länger t Zeit erloschen, ebenso dauern eine gewisse Schwäche an den Knieen und Parästhesie | am Unterschenkel, manchmal auch Herzklopfen, schlechter Schlaf und ähnliche
| neurasthenische Symptome fort, so daß die Gefahr besteht, daß die ganze Krank
heit im nächsten Sommer wiederkommt. Kurz vor vollständiger Herstellung und selbst einige Zeit nachher kommt oft wieder eine vorübergehende Steigerung der Patellarreflexe.
3. Die hydropische Form.
(Hydropisch-atrophische Form, Balz, Scheube.)
Diese Form, welche eigentlich nichts weiter ist als die vorigen Formen plus stärkeren Zirkulationsstörungen, besonders Ödem, beobachtet man in einigen Jahrgängen häufiger, in anderen seltener. Im allgemeinen kann man wold sagen, daß